Ein bisschen Pepi

Ein Grand Hotel eröffnete ein Imbiss-Lokal - mit Schwarte und Schampus

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 44/15 vom 28.10.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Dem Florian Weitzer verdanken wir einige der angenehmsten Hotels im Lande, als da sind Weitzer und Wiesler am Grazer Grieskai, die beiden Daniels in Graz und Wien und seit Anfang Oktober das Grand Ferdinand am Schubertring. Und man verdankt dem Florian Weitzer außerdem ein paar der unkonventionellsten Hotel-Restaurants und -Cafés des Landes, so zum Beispiel die großartige Bakery im Wiener Daniel, das stimmungsvolle Café Weitzer in Graz, das gelungene Konzept-Lokal „Der Steirer“ und die interessante Kombination von Grill-Restaurant „Speisesaal“ und kontemporärem Imbiss „Senf & Söhne“, ebenfalls in Graz.

Auch im neuen Grand Ferdinand in Wien gibt es ein Restaurant, das sich gewaschen hat, ganz nach Vorbild der Pariser Grand Cafés gestaltet, mit Lobmeyer-Lustern, Thonet-Mobiliar und ambitionierter Kronländer-Küche buhlt man hier zweifellos auch um die Gunst der – wohlhabenden – Wiener Klientel. Daneben gibt’s ein kleines Zweitlokal, das zwar mit „Gulasch & Champagne“ einen ziemlich unerträglichen Namen hat, dafür aber ein umso erfreulicheres Konzept, nämlich die altösterreichische Buffetkultur, wie es sie eigentlich nur mehr in Triest gibt, unter anderem im legendären Buffet „Da Pepi“: Würste, Siedefleisch, Gulasch und Innereien, gerne auch auf einem Teller vereint.

Jetzt wäre natürlich schön, wenn man diesem wunderbar angedachten Imbisslokal auch optisch die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet hätte wie dem „Grand Ferdinand“-Restaurant daneben. Hat man aber nicht. Vielmehr wirkt das Gulasch & Champagne mit seinem indifferenten Kaffeehaus-Mobiliar und der unmotiviert herumstehenden weißen Theke mit Marmorplatte ein bisschen wie die Sektbar irgendeines Kettenhotels. Der Leberkäse-Ofen obendrauf und die musikalische Untermalung durch die peinlichsten Austropop-Hervorbringungen der Vergangenheit und Gegenwart fügen sich da passend ins Bild der Seltsamkeit.

Dennoch sollte man nicht verabsäumen, hier einen Imbiss zu ordern. Und zwar am besten das, was unter dem nicht ganz unpeinlichen Namen „Schweinerei“ läuft und eine Mischung des Gesamtsortiments ist: ein bisschen Cotechino, eine italienische Brühwurst aus Schweinenacken, -kopf und –schwarte, unverzichtbarer Bestandteil beim Bollito Misto, und klassisches Buffet-Programm; gesottenes Hüferscherzl, wunderbar fasrig und selbstverständlich vom Rind; gesurte Rinderzunge, auf der – äh – Zunge zergehend; etwas fade Frankfurter und recht gute Debreziner und Leberkäse vom Pferd sowie normal. Fein, allerdings sollte das halt auf einem heißen Teller serviert werden, sonst wird’s rasch kalt, und das ist bei allen Bestandteilen der „Schweinerei“ dann eher blöd (€ 8,–). Die angebotenen Normalo-Champagner sind mit 14 Euro pro Glas zu teuer, also Hände weg davon, Kozel geht grad noch (€ 3,50 pro Seidel), Wasser ist gratis.

Resümee:

Eine großartige Idee, die aber irgendwie nicht ganz fertig gedacht, zumindest provisorisch umgesetzt wirkt.

Gulasch & Champagne
1., Schubertring 10–12
Tel. 01/91 880 500
tägl. 11–0.30 Uhr
www.gulaschandchampagne.com


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