"Wenn mein Beruf jemanden entzückt, ist er sinnvoll"

Der Vorarlberger Grafikdesigner Stefan Sagmeister über das Streben nach Glück, humane Arbeitszeiten in seiner New Yorker Agentur und den Irrtum gieriger Börsenmillionäre


INTERVIEW: MATTHIAS DUSINI
Feuilleton | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015


Das Glück ist eine Karotte. Der Grafikdesigner Stefan Sagmeister glaubt nicht an dauerhafte Euphorie. Glück sei von der Evolution lediglich als Versprechen vorgesehen. „Sonst würde ich mich hinsetzen, fressen und Sex haben. Es gäbe keine Entwicklung.“ Der 53-jährige, in New York lebende Vorarlberger war in Wien, um im Museum für angewandte Kunst (Mak) seine „Happy Show“ zu präsentieren. Die Schau ist das Nebenprodukt eines kürzlich fertiggestellten Films, für den Sagmeister mehrere Jahre recherchierte.

250.000 Menschen haben die Wanderausstellung in Los Angeles, Toronto und Paris inzwischen gesehen, ein unglaublicher Erfolg für eine Museumspräsentation, die ganz ohne populäre Picassos oder Pharaonenmumien auskommt. Mit Videos, Infografiken und interaktiven Installationen vermittelt die Schau Forschungsergebnisse und Ratschläge zum Thema Glück.

Zahlreiche Besucher und Besucherinnen schrieben Briefe an Sagmeister, um ihre Gefühle zu schildern. „Für mich ist mein Beruf sinnvoll, wenn ich sagen kann: Ich mache etwas, was anderen hilft oder jemanden entzückt“, erklärt der Grafiker, der am Tag der Eröffnung Interviews im Halbstundentakt gibt. Die Stichwörter, vom Glücksvogerl bis zum Glückskind, sind aufgelegt. Ob es ihn denn nicht störe, ständig dieselben Fragen beantworten zu müssen? Nein, es bereite ihm sogar ein Vergnügen, dieselben Geschichten immer und immer wieder erzählen zu können. Eher sei seine Umgebung davon genervt.

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