Phettbergs Predigtdienst

Durch das Sterben kann's nur besser werden

Kolumnen | Hermes Phettberg | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Die vielen, vielen Zahlen, die Ö1 meldet, dass soundso viele Leute nach Europa fliehen, überfordern meinen Geist. Zehntausend Persönlichkeiten, das heißt, zehntausend Persönlichkeiten voller Sex und Lust und Not. Weil, diese Zahlen an Menschenmassen musst du dir ja summieren, seit Juni hören diese Zahlen nicht auf, sich dazuzufügen. Aus Iran, Irak, Afghanistan, Syrien. "Ich" bin eher liberal und möchte alle Fliehenden zu einer neuen heimatlichen Stelle vermitteln, doch viele Europäys, kann ich mir vorstellen, wollen sich wehren. Heute wurde auf Ö1 geredet von Vögeln, die kurz vor ihrem Tod zu singen beginnen. Ich fass all die vielen Ströme, die auf mich einströmen, nicht mehr. Gestern im obersten Stock der Hauptbücherei wurden zwei allerbeste Bücher übers Begrabenwerden präsentiert: 1.) von Hannes Benedetto Pircher: "Sorella Morte. Über den Tod und das gute Leben. Betrachtungen eines Grabredners", und 2.) von Klaus Kufeld: "Das Singen der Schwäne. Über den Tod und das Glück". Jeden Tag bringt Hannes Benedetto Pircher so circa zwei, drei Personen zu Grabe und hat quasi nun eine Art Katalog der Möglichkeiten eines Grabredners in "Sorella Morte" aufgelistet. Ich, der lebenslange Einzelgänger, habe mir schon vor längerem mein Grab (= das Armengrab von Ewald Penz) am Wiener Zentralfriedhof gekauft und weiß meine Grabnummer auswendig: 72B/14/61.

Die größte Pointe ist die, wo Klientys von Hannes, als sie ihren 25-jährigen allerschönsten Sohn zu Grabe tragen mussten, unbedingt forderten, absolut kein trauriges Begräbnis "geliefert" zu bekommen. Ich habe mir schon lange mit Hannes Benedetto ausgemacht, dass bei meinem Begräbnis nichts geredet werden darf, sondern nur eine Kerze brennen darf und höchstens Tränen vergossen werden dürfen oder die Kerze tropfen darf. Der Titel "Sorella Morte" meint ja auf Deutsch: "Fröhliches Leben und ertragenes Absterben". Klaus Kufeld bringt das Beispiel "die stummen Schwäne", die nur dann singen, wenn sie ihren Tod zu erahnen beginnen. Denn ich bin ja auch eine Art Schwänlein und immer öfter gerät mir mein mühsames Leben nach den drei Schlaganfällen nun schon ins Hoffen hinüber: "Durch das Sterben kann's nur besser werden", meint mein Hoffen.

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