Am Apparat Telefonkolumne

Sollen Scheidungskids zwei Wohnsitze haben, Frau Klaar?

Politik | INTERVIEW: BARBARA TÓTH | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Kinder, deren Eltern geschieden sind, können ab sofort zwei Wohnsitze anmelden. Das hat der Verfassungsgerichtshof entschieden. Welche Folgen hat das? Wir haben die bekannte Scheidungsanwältin Helene Klaar gefragt.

Frau Doktor Klaar, was bedeutet es für Scheidungskinder, zwei Wohnsitze zu haben?

Die Journalistin Elfriede Hammerl hat diese Situation auf eine Frau mit zwei Liebhabern übertragen. Kein Erwachsener will zwischen zwei Wohnsitzen pendeln. Aber mit Kindern darf man alles machen. Das ist das Hauptproblem. Ich würde so nicht gern Kind sein wollen.

Die Sorge von Frauenrechtlerinnen ist groß, dass Väter in Zukunft deswegen weniger Unterhalt zahlen könnten.

Was heißt könnten? Schon jetzt gilt, dass bei circa gleichteiliger Betreuung und circa gleichem Einkommen kein Geldunterhalt mehr fließt. Wenn die Mutter 1000 Euro verdient und der Vater 1500 und die Kinder 20 Tage im Monat bei ihr und zehn Tage bei ihm leben, zahlt der Vater bereits keinen Unterhalt mehr. Dann schreiben alle ergriffen über Kinderarmut.

Was wäre die Lösung?

Wenn sich ein Paar trennt, soll es sich überlegen, bei wem die Kinder bleiben, und dem anderen einen angemessenen Umgang ermöglichen.

Was heißt "angemessen" Ihrer Erfahrung nach?

Ein Nachmittag oder ein Abend in der Woche. Und jedes zweite Wochenende. Aber schauen Sie sich einmal an, wie es ist, wenn ein Vater tatsächlich jede Woche einen Nachmittag freischaufeln soll oder vier Wochen im Sommer.

Der Wunsch nach Doppelresidenz weist in die falsche Richtung?

Ja. Es entsteht ein neuer Machismo, Es sollen die Eitelkeiten von Vätern befriedigt werden, ihre Verpflichtungen zu Geldunterhalt möglichst erleichtert, und die Lebensqualität von Frauen und Kindern wird dadurch weiter sinken.


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