Stadtrand Urbanismuskolumne

Der Tod ist ihr Zeuge

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Wien feiert sich ja gerne selbst als die Hauptstadt des Morbiden. Der Tod, das muss ein Wiener sein, es lebe der Zentralfriedhof und so. Eine Pose, die gepflegt und kultiviert wird. Wahrscheinlich wird auch deshalb so ausgiebig auf Wiener Friedhöfen flaniert -selbst abseits von Allerheiligen. Klar, da geht es ruhig und beschaulich zu, da kann sich auch der Großstädter von heute entspannen und mitunter - aller Pietät zum Trotz -sogar lachen. Denn die altehrwürdigen Grabinschriften haben aus heutiger Sicht schon etwas ziemlich Komisches. So sind auf dem Sankt Marxer Friedhof der bürgerliche Schmalzhändler und der Hausbesitzer in Hütteldorf neben die Sonn-und Regenschirmfabrikantengattin, die bürgerliche Schiffmeisterswitwe und den "wirklichen geheimen Rath und Vice Kanzler der k.u.k. vereinigten Hofkanzlei etc. etc. etc." gebettet.

Hätte sich der Brauch, sich über Partner und Beruf zu definieren, erhalten, wie sähen Grabinschriften heute aus? Teilzeit-Callcenter-Agent-Friend-with-Benefits läge neben Vegane-Hundekeks-Bäckerin-Lebensabschnittspartner.


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