STEIERMARK

Wieder mittendrin sein

Das Kinder-und Jugendliteraturfestival Bookolino empfiehlt sich auch für Erwachsene

Lexikon | MARIA MOTTER | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Mittendrin und anderswo" lautet heuer das Motto von Bookolino. Von Transiträumen ist derzeit viel zu lesen. Die Kuratorinnen Veronika Erwa-Winter und Stephanie Liebmann beschreiben im Programm ihres Festivals einfach und doch präzise das Gefühl, plötzlich außen vor zu sein: "Mittendrin sind wir dann, wenn es uns gut geht, wenn all die, die wir mögen, uns auch mögen, respektieren und schätzen, wenn wir dort sind, wo wir uns zu Hause fühlen, dann ist die Welt rund, hell und heiter. Aber wenn dieses Rund auch nur den kleinsten Riss bekommt, durch ein böses Wort vielleicht, ein kleines Missverständnis, eine verleumdende SMS, dann sind wir schon anderswo, dann erscheint die Welt befremdlich, holprig, beschwerlich."

Mittendrin, das sei ein Transitraum, in dem die Reise durch den Alltag haltmache. Und so verwandelt das Bookolino-Festival die Räumlichkeiten im Literaturhaus sowohl in Rückzugsecken als auch in Entdeckungswelten. Etwa wenn die große österreichische Autorin Renate Welsh, die etwa durch ihre Vamperlbücher bekannt und beliebt wurde, Kindern ab vier Jahren vom grünen Frosch mit rotem Popo in der Lesehöhle erzählt (5.11., 15.00 Uhr) und der Autor Heinz Janisch beim Symposium (9.11., 14.30 Uhr) ausführt, warum man mit einem Bilderbuch eine ganze Ausstellung in Händen hält. Schließlich ist das Kinder-und Jugendliteraturfestival auch eine Empfehlung für Erwachsene, und zwar selbst für jene, die keine Kinder haben. Allen voran aufgrund ihrer Illustrationen haben sich Kinderbücher nämlich zu Sammlerobjekten entwickelt. Die Buchausstellung ist täglich von 9.00 bis 18.00 zugänglich.

14 Autoren und Illustratoren zählen zu den Mitwirkenden bei Bookolino, unter ihnen ist der Fotograf, Zeichner und Autor Willi Puchner, dessen um die Welt reisende Pinguin-Skulpturen es sogar auf die Österreich-Werbung schafften. Im Zentrum von Puchners neuem Projekt "Unterwegs, mein Schatz!" steht übrigens die Kultur des Briefschreibens. In einem Workshop werden "Bilderbriefe" an Freunde und Familie verfasst, die vom Glück erzählen. Es wird also viel gezeichnet werden.

Füllfeder und schwarze Tinte hat auch die Illustratorin, Grafikerin und Autorin Piret Raud auf die Utensilienliste ihres Workshops in Graz gesetzt. Die Estin, selbst Kind eines Schriftstellerehepaares, wurde dieses Jahr mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet. Bei Bookolino will sie Kinder auffordern, auch einmal schwarz-weiß zu zeichnen und dabei Dinge frei zu erfinden. Und schon ist man sozusagen mittendrin.

Literaturhaus, Graz, bis 15.11.


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