Film Neu im Kino

Friede, Freude, Pathos: Die Schüler der Madame Anne

Lexikon | VANESSA SCHARRER | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Wenn es in den Vororten Frankreichs um die brennenden Mülltonnen und Autos ruhig wird, erzählt man sich die Geschichte einer Schulklasse aus der Gegend, die beim nationalen Schülerwettbewerb zum Thema Widerstand und Deportation im Zweiten Weltkrieg gewonnen hat, junge Schüler mit unterschiedlichen Nationalitäten und Religionen als Aushängeschild für das französische Schulsystem. Das klingt wie ein Märchen, doch der Film "Die Schüler der Madame Anne" (oder der pathetische französische Titel "Les Héritiers") von Marie-Castille Mention-Schaar erzählt diese Geschichte und schützt sich mit dem Schild der wahren Begebenheit gegen Zweifler.

Das Drehbuch wurde von Ahmed Dramé koproduziert, er war Teil der berühmten Klasse und spielt im Film Malik, ferner ist der Cast eine Mixtur aus Profis und Amateuren. Dieser unglaubliche Gewinn wurde durch die ebenso unglaublich motivierte Lehrerin Anne Gueguen möglich gemacht. Sie ist die Löwendompteuse, die die schwierige Klasse als Einzige unter Kontrolle zu haben scheint, weil sie an ihr Engagement glaubt. Die gespaltene Gruppe scheint zunächst nichts für das Thema Jugendliche und Kinder in KZs übrig zu haben, jedoch erkennen sie sich im Status der Ausgegrenzten wieder -ein gewagter Vergleich.

Geeint wird die Gruppe schließlich durch die gemeinsamen französischen Werte: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, ein tröstlicher Erklärungsversuch mit Hang zum Nationalstolz. Sympathiepunkte gewinnt der Film durch die authentischen Schauspieler, den flotten Erzählstil und mit einigen berührenden Momenten, beispielsweise als der Überlebende Léon Zygel aus der Zeit im Lager erzählt. Zuletzt versucht sich der Film an einem Happy End, indem er Unterschiede und Probleme wegbügelt, und wirkt dabei ziemlich verkrampft.

Ab Fr in den Kinos (OmU im DeFrance)


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