8 Das sind doch alles keine Syrer, die reisen nur mit falschen Pässen ein

Politik | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Wer aus Syrien geflohen ist, erhält so gut wie immer Asyl. Schließlich wüten dort nicht nur die Fanatiker der Terrororganisation "Islamischer Staat", auch Syriens Präsident Bashar Al-Assad geht äußerst brutal gegen die eigene Bevölkerung vor. So gesehen wäre es gar nicht verwunderlich, wenn viele, die nun Richtung Europa flüchten, sich als Syrer ausgeben, um so rasch zu einem positiven Asylbescheid zu kommen. Anfang Oktober behauptete der deutsche Innenminister Thomas de Maizière, dreißig Prozent der Asylsuchenden gäben sich als Syrer aus, seien aber in Wahrheit gar keine. In Österreich werden derartige Statistiken nicht geführt, heißt es aus dem Innenministerium.

Allerdings passen die Angaben des deutschen Innenministers nicht zu den vom deutschen Bundesamt für Asyl und Flüchtlinge und von der EU-Grenzschutzagentur Frontex veröffentlichten Zahlen. Das deutsche Bundesamt für Asyl und Flüchtlinge beanstandete im Jahr 2015 genau 116 syrische Pässe als gefälscht - bei mehr als 70.000 Syrern, die zwischen Jänner und September 2015 in Deutschland einen Asylantrag stellten. Laut Frontex sind etwa zehn Prozent der syrischen Pässe gefälscht. Allerdings habe eine von Frontex durchgeführte Untersuchung ergeben, dass achtzig Prozent der Besitzer dieser gefälschten Pässe Syrer seien.

Aber ist es für andere Araber leicht, sich als Syrer auszugeben? "Die arabischen Dialekte unterscheiden sich sehr stark", sagt Ines Dallaji, Arabistin auf der Universität Wien. "Sobald jemand Charakteristika seiner Muttersprache in seine Imitation des Syrisch-Arabischen einfließen lässt, wird seine Herkunft mit hoher Wahrscheinlichkeit erkannt."


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