Mediaforschung Verführungskolumne

Ärztesuche mit Leidenschaft: Das Ländle sucht Dr. Quinn

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Im Oktober protestierten Ärzte und Pfleger auf dem Wiener Ring und riefen den "Pflegenotstand" aus. Landgemeinden in ganz Österreich betteln händeringend um neue Hausärzte, weil die alten in Pension gehen und niemand nachkommt. Selbst im nobel ausgestatteten Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus stöhnen die Mediziner wegen der Personalnot (der Falter hat berichtet). Müsste man die Lage des Gesundheitssystems in Zeiten des Ärztemangels mit einem Bild aus dem Wilden Westen beschreiben, es wäre ein lahmer Gaul, dem ein besoffener Cowboy in den rechten Hinterlauf geschossen hat.

Nachwuchsärzte sind in dieser Situation zur begehrten Humanressource geworden. Wer sie engagieren will, muss mitunter kreativ sein. Die Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft, die die Spitäler im Ländle nahe der lukrativen Schweiz und des verlockenden Deutschland betreibt, fährt beispielsweise eine eigene "Go West"-Werbekampagne, um junge Ärzte aus dem Osten zu ködern.

Das Plakat hängt an der U-Bahn-Station beim Allgemeinen Krankenhaus. "Wanted -Turnusärzte €72.000 Reward" steht da in Wildwest-Optik, und das Plakat verweist auf die Onlineadresse www.arbeiten-in-vorarlberg.at. Statt mit Gewehr und Pistole posieren die jungen Ärzte fröhlich mit Krücke und Spritze.

Die Kampagne zeigt zweierlei: Einerseits, welch wichtige Rolle der Standort bei Kampagnen hat. Andererseits, dass Werbung mitunter ein gesellschaftlicher Spiegel für realpolitische Probleme sein kann.


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