1 Flüchtlinge verdrecken unsere Züge und schlitzen die Sitze auf

Politik | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Flüchtlinge verdrecken "unsere" Züge - und das auch noch mit weggeworfenen Hilfsgütern.

In der Krone stand sogar geschrieben, Afghanen würden Sitze aufschlitzen, weil dort Christen gesessen seien. Stimmt's? Wer auf die Facebook-Seiten rechter Politiker klickt, der wird die Antwort wohl voreilig mit "Ja" beantworten. Es kursieren Videos und Fotodokumentationen von Zügen, die ziemlich mitgenommen aussehen, allerdings nicht vorsätzlich beschädigt.

Diese Bilder zeigen verstopfte und daher übergehende Toiletten, Decken auf dem Boden und überquellende Mistkübel. Wer den Bildern auf den Grund geht, kommt dahinter, dass sie weniger über "die Flüchtlinge" aussagen als über den Ausnahmezustand, der an den Bahnhöfen herrscht - und von den ÖBB von wenigen Ausnahmen abgesehen exzellent verwaltet wird.

Wie kommt es zu den Bildern? Schon Anfang September, als die ersten zehntausend Flüchtlinge am Westbahnhof begeistert empfangen wurden, drückten Helfer den Ankommenden -darunter viele Familien und Kinder -Nahrungsmittel, Decken und Spielsachen in die Hand. Die Flüchtlinge dankten, aber vor allem Familien konnten die Gegenstände nicht tragen und ließen sie in der Hektik einfach zurück. Schon damals strichen blaue Lokalpolitiker über die Bahnsteige und hatten nichts Besseres zu tun, als diesen Müll zu fotografieren, um Stimmung zu machen.

Die ÖBB geben bekannt, dass die Züge nach den Einsätzen "nicht immer im besten Zustand" seien. Aufgeschlitzte Sitze "gab es vielleicht in einem Einzelfall", seien aber eher ein Phänomen, wenn "besoffene österreichische Hooligans" unterwegs waren.


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