Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Mela Verde von Yoga

Über die Sonne in Italien und die Kunst, Apfelsaft zu verhunzen

Stadtleben | MS | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Wer die Biennale in Venedig anschauen möchte, hat noch bis 22. November Zeit. Das Schöne (neben der Kunst) an dieser Kurzreise ist, dass man eventuell noch ein paar richtig sonnige Augenblicke erhaschen kann. Wer sich nach der Überdosis Kunst erschöpft in einen Gartensessel mit Blick aufs Meer sinken lassen möchte, der hat beim Ausgang der Giardini genügend Möglichkeiten. Die Erwachsenen könnten einen Prosecco oder einen Campari trinken: eine ausgezeichnete Idee! Die Kinder würden vielleicht mit einem Apfelsaft der Firma Yoga zufrieden sein: was für ein grober Fehler! Die Firma Yoga mit Sitz nahe Bologna ist ein traditioneller Fruchtsafterzeuger, der eigentlich eine authentische Corporate Identity hat. Die hübsche, eckige Glasflasche, das Bild vom knackigen Apfel auf dem Etikett und das zwar nicht aufregende, aber wenigstens zurückhaltende Logo würden nicht vermuten lassen, dass es sich hier um einen Saft handelt, der mit der allergrößten Chuzpe daherkommt.

Der dickflüssige Saft "Mela Verde" wurde so behandelt, dass man an das Aroma von Apfelzuckerln aus der Blechdose erinnert wird. Grauenhaft. Nun ist es bekanntlich so, dass dem Nachwuchs so manches schmeckt, was für Erwachsene abwegig ist, aber nicht einmal das Kind konnte bei diesem Saft mit. Die vier Euro für 200 Milliliter (mit Service) hätte man vermutlich besser als Glücksbringer im Springbrunnen versenkt. Um auch etwas Nettes zu sagen: Im Medienarchiv der Website kann man alle Werbungen seit den 60ern abrufen.


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