Wieder ein Leben

Zehntausende reisten vergangene Woche über Spielfeld nach Österreich. Vor dem Grenzbalken wartete auch eine Frau auf ihre Schwester, die dem Krieg in Syrien entkommen wollte


REPORTAGE & FOTOS: NINA BRNADA
Politik | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Lamis Moucachen lauert am Grenzübergang Spielfeld. Wann immer ein weiteres Grüppchen von Flüchtlingen an ihr vorübergeht, tritt die Frau einen Schritt nach vorn, und ihr Blick tastet die Gesichter der Fremden ab.

Wer in diesen Momenten neben Lamis steht, hat das Gefühl, ihr Herz schlägt ihr bis zum Hals. Wenn sie Glück hat, sieht sie gleich ihre Schwester Sawsan und den Neffen wieder, die sie wegen des Krieges in Syrien seit fünf Jahren nicht mehr getroffen hat. Die beiden sind gemeinsam mit einem Freund des Burschen vor zehn Tagen aus der syrischen Stadt Homs Richtung Deutschland aufgebrochen. Auf ihrer Reise in den Westen fuhren sie in Fischerbooten übers Mittelmeer und harrten an Grenzübergängen aus.

Wieder nichts. "Zwei Tage geht das schon so", sagt Moucachen. Aber vielleicht sind sie ja in einem der Zelte, vielleicht kommen sie ja gleich heraus. "Ich weiß zwar, dass sie in Slowenien sind, das hat mir meine Schwester gesagt, als wir zum letzten Mal miteinander telefoniert

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