Enthusiasmuskolumne Diesmal: Der beste Büchner-Preisträger der Welt der Woche

Sing zum Abschluss leise "Amore"

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Als Peter Handke 1973 den Büchner-Preis erhielt, war er als bis dahin und bis heute jüngster Büchner-Preisträger gerade einmal 30 Jahre alt, aber "auf dem Hochpunkt der Königlichkeit seiner Autorschaft". Davon sprach Rainald Goetz in seiner Rede, mit der er sich am vergangenen Samstag für den Büchner-Preis bedankte. Und er erinnerte sich daran, wie die in der SZ-Wochenendbeilage abgedruckte Rede Handkes ihn, den gerade zur Maturareise nach Athen aufbrechenden Rainald Goetz, "aufgewühlt" habe, nicht zuletzt durch die Frage: "Wie wird man ein poetischer Mensch?"

Kaum einem anderen Autor - mit Ausnahme von Hans Magnus Enzensberger -eignet Alterslosigkeit so sehr wie Goetz. Und doch wird man ihn, der den Preis nun (erst) mit 61 Jahren bekommen hat, nicht "jung" nennen. Am allerwenigsten würde es Goetz selber tun: Der Brutalität und Banalität, mit der "aus lauter kleinen schlechten Erfahrungen" diese "gigantische Kaputtheit" entstehe, hatte er den Beginn seiner Rede gewidmet.

"Das Schreiben altert nicht gut", erteilte der Ausgezeichnete allem Anspruch auf Altersweisheit eine Absage und bekannte, beim Schreiben noch nie so unsicher gewesen zu sein wie heute -ständig bedroht von falschen Lösungen wie Selbstplagiat, forcierter Experimentalität oder enthemmter Geschwätzigkeit.

Es wäre indes nicht der rasende Rainald, enthielte seine Rede nicht auch ein Remedium wider den Verfall, von dem sie sprach. "Was ist das Ergebnis dieser Rede, Wanda, wenn jemand fragt, wofür du stehst?", zitierte Goetz eine derzeit angesagte Wiener Band, um dann mit herzergreifend wackeligem Diskant, nun ja, zu singen: "Wenn jemand fragt, wofür du stehst, sag, für Amore, Amore!" Nachzuhören auf http://shorl.com/robedrastaheko.


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