"Ich freue mich über lustige Rollen"

Claudia Kottal in sieben Rollen: "Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen"

Lexikon | INTERVIEW: SARA SCHAUSBERGER | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015


Foto: Moritz Schell

Foto: Moritz Schell

Bekannt wurde Claudia Kottal vor allem durch ihre Rolle als Laura Rudas in der ORF-Satiresendung „Wir Staatskünstler“. Seit vier Jahren ist sie in der Fernsehserie „Cop Stories“ als Bezirksinspektorin zu sehen. Gleichzeitig macht die 34-Jährige, die am Konservatorium Wien studiert hat, aber immer noch fleißig Theater. Im Moment probt die Österreicherin mit polnischen Wurzeln gleich für zwei Stücke: die Nestroy-Posse „Zu ebener Erde und erster Stock“ im Volkstheater und den Solo-Abend „Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen“ im Kosmos Theater. Zum Interview im Café Möbel in der Burggasse kommt Kottal direkt von der Probe im Volkstheater. Am Abend geht es mit Proben im Kosmostheater weiter, davor will die Schauspielerin aber noch schnell zum Taekwondo.

Falter: Frau Kottal, fürchten Sie sich schon davor, in „Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen“ ganz alleine auf der Bühne zu stehen?

Claudia Kottal: Ich bin zum Glück nicht ganz alleine, der Musiker und die Regieassistentin sind auch noch da. Aber natürlich bereite ich mich seit Probenbeginn mental darauf vor, wie es sein wird, einen ganzen Abend allein zu rocken. Im Prinzip darf ich es nicht anders sehen, als wenn ich mit Kollegen auf der Bühne stehe. Ich spiele dieses Mal halt mit dem Publikum.

Sie spielen gleich sieben verschiedene Figuren. Wie schaffen Sie es, so schnell die Rolle zu wechseln?

Kottal: Wir haben am Anfang überlegt, das Ganze mit aufwendigen Kostümen zu lösen, aber dafür sind die Mittel von einem Haus wie dem Kosmos Theater einfach zu klein. Deswegen machen wir es jetzt einfach total trashig.

Jede Figur erzählt denselben Unfallhergang, aber jeweils aus ihrer Sicht. Was ist passiert?

Kottal: Das kann ich nicht verraten. Es ist ja ein Thriller, eine Aufdeckungsgeschichte. Aber es wird lustig, so viel kann ich schon sagen.

Werden Sie seit Ihrem Erfolg mit „Die Staatskünstler“ vor allem für lustige Rollen gebucht?

Kottal: Kurz hatte ich die Angst, dass es so sein wird, aber das ist dann gar nicht passiert. Ich habe gleich danach die Rolle in „Cop Stories“ bekommen, die ja total ernst ist. Als ich das Drehbuch fürs Casting gelesen habe, habe ich mich dauernd gefragt: Wo ist der Witz? Es wechselt sich zum Glück ganz gut ab und ich kann beides machen. Als Schauspielschülerin will man ja immer die leidende Heroin spielen. Ich war früher genau so, aber mittlerweile freue ich mich über lustige Rollen.

Wann kommt Ihr erstes Kabarett?

Kottal: Ich habe großen Respekt vor Kabarett und kann mir nicht vorstellen, meine eigenen Sachen zu schreiben. Aber wer weiß. Vor vier Jahren wurde ich wegen meinen Politikerinnen-Rollen in „Wir Staatskünstler“ immer gefragt, ob ich mir denken kann, in die Politik zu gehen, und ich habe immer kategorisch Nein gesagt. Seitdem habe ich mich aber sehr viel mit Politik auseinandergesetzt, und je eingehender ich mich damit beschäftige und mich darüber ärgere, desto eher kann ich mir vorstellen, das tatsächlich zu machen. Also vielleicht komme ich irgendwann doch noch auf die Kabarettschiene.

Sie spielen gegenwärtig auch im hochgradig politischen Musiktheaterstück „Proletenpassion 2015 ff“ im Werk mit. Wie politisch soll Theater sein?

Kottal: Es ist schon wichtig, zu aktuellen Themen Stellung zu beziehen. Auch in den Couplets im Nestroy-Stück wird das der Fall sein. Und die „Proletenpassion“ ist so ein toller Abend, vor allem wegen der Musik von Eva Jantschitsch. Ich bin sehr froh, dass ich da mitspielen darf.

Als freie Schauspielerin spielen Sie mal hier und mal dort. Sehnen Sie sich nach einem fixen Ensemble?

Kottal: Lange habe ich mich danach gesehnt, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass ich meine eigene Managerin bin. Oft ist es aber schwierig, die ganzen verschiedenen Projekte zu disponieren. Wonach ich mich sehne, ist ein richtiger Klassiker. Aber solche Rollen kriegt man in der Freien Szene eher selten.

Sie haben Ihren eigenen Verein gegründet: „Migrationshintergrund am Arsch“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Kottal: Es ist ein Theaterverein, im Jänner werden wir unsere erste Premiere feiern. Wir wollen Stücke spielen, die in Österreich nicht auf die Bühne kommen. Meine Mutter kommt aus Polen, und immer, wenn ich dort bin, denke ich mir, dass es so einen tollen Ostblock-Theater-Fundus gibt, der hier nicht genutzt wird, weil die Stücke nicht übersetzt werden. Unsere erste Produktion ist eine Farce von einem ungarischen Autor: „Familie Tod“. Der Theatermusiker Imre Lichtenberger-Bozoki, mit dem ich den Verein gegründet habe, wird Regie führen und ich mache die Produktion und werde mitspielen.

Kosmos Theater, Di–Do 20.00 (bis 20.11.)


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