Kommentar Medien

Ist der ORF-Funkhaus-Deal im Hintergrund schon gelaufen?

Falter & Meinung | UTE WOLTRON | aus FALTER 45/15 vom 04.11.2015

Würde die BIG beim Verkauf eines Gebäudes so agieren wie der ORF, säße ihr der Rechnungshof im Gnack und es würde parlamentarische Anfragen hageln. Der ORF hingegen weiß sich von allen Seiten durch seinen Querparteien-Stiftungsrat gedeckt und kann mit Häusern offenbar tun, was er will.

Vor dem Nationalfeiertags-Montag bot er via Zeitungsinserat mit dem Funkhaus in der Argentinierstraße ein Immobilien-Kleinodium zum Verkauf an. Schon allein auf die Idee, das Funkhaus zu verscherbeln, können nur Immobiliengeier kommen. Denn welch wirtschaftlichen Sinn es macht, Radiosender wie Ö1 in einen erst zu errichtenden Neubau auf den Küniglberg zu verbannen, konnte der ORF bislang weder in Zahlen gegossen noch sonst irgendwie glaubhaft argumentiert darlegen. Das Funkhaus wird jedoch verscherbelt, da nutzte kein lauter Protest seitens Belegschaft, Hörerschaft und kultureller Prominenz.

Wer Interesse am Filetstück hinter der Karlskirche hat, muss sich sputen. Gerade einmal bis 11. November wurde den Bietern zur Anbotsabgabe Zeit eingeräumt. Das ist so knapp, dass jeder, der auch nur irgend etwas mit Immobilien zu tun hat, argwöhnen muss, der Deal sei im Hintergrund schon gelaufen.

Denn welchen Grund sonst gäbe es, folgender Empfehlung der EU nicht zu folgen? "Hinreichend publiziert ist ein Angebot, wenn es über einen längeren Zeitraum (zwei Monate und mehr) mehrfach in der nationalen Presse, Immobilienanzeigern oder sonstige geeignete Veröffentlichungen und durch Makler, die für eine große Anzahl potenzieller Käufer tätig sind, bekanntgemacht wurde und so allen potenziellen Käufern zur Kenntnis gelangen konnte."


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