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Die Glosse vom Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Es begab sich in der idyllischen Blumen-und Schlagerstadt Sanremo in Italien, dass von 271 Beamten des Einwohnermeldeamtes 195 unter dringendem Verdacht standen, nicht zu arbeiten. Die staatlichen Kontrolleure stellten fest, dass die Kollegen nicht mit einem, sondern gleich mit mehreren Ausweisen morgens vor der Stechuhr standen. Müssen ja nicht alle kommen, wenn es ohnehin nichts zu tun gibt.

Ein besonderes Exemplar beamtischer Arbeitsmoral fand sich zwar persönlich an seinem Arbeitsplatz ein, allerdings in Unterwäsche. Da sich seine Wohnung im selben Haus wie das Büro befand, zog er wohl eine rasche Rückkehr in die Privatsphäre in Erwägung. Andere widmeten sich interessanteren Dingen, wie Kanufahren, der Maniküre oder einfach dem Schlaf.

Die Finanzpolizei zeichnete das Treiben der "fannulloni", Nichtstuer, auf Video auf. In unserer von Gier und Geschwindigkeit geprägten Zeit sind sie ein rares Dokument widerständiger Entschleunigung - ein Brevier zur Einübung des Dolcefarniente.


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