Am Apparat Telefonkolumne

Frau Kurz, warum ist der Bundestrojaner so gefährlich?

Politik | Anruf: B. Narodoslawsky | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Werden Polizeibehörden bald "Bundestrojaner" einsetzen dürfen, um Bürger mithilfe dieser speziellen Software auszuspionieren? Laut ORF überlegt das österreichische Justizministerium gerade diesen Schritt. Über die damit verbundenen Gefahren sprach der Falter mit der deutschen Datenschützerin Constanze Kurz, die ehrenamtlich als Sprecherin für den Chaos Computer Club arbeitet.

Ist ein Trojaner gefährlicher als eine Telefonabhöraktion?

Ja, denn will man jemanden abhören, zapft man dessen Telefonleitung an. Mit dem Trojaner greift man aber direkt das Gerät des Verdächtigen an. Man infiltriert hinter seinem Rücken den Computer.

Wenn der Staat meinen Computer mit einem Trojaner infiziert, was kann er damit machen?

Mit einem Trojaner kann man den Verdächtigen nicht nur ausspionieren, sondern man kann auf seiner Festplatte auch Daten platzieren und manipulieren. Es wird also sehr schwer werden, Daten, die sich die Behörden mithilfe eines Trojaners beschafft haben, als Beweismittel zu führen.

Wie kann man sich schützen?

Das Betriebssystem, das man auf dem Computer verwendet, spielt etwa eine Rolle. Denn die Anbieter, die die Staatstrojaner verkaufen, bieten die Trojaner nicht für jedes Betriebssystem an. Das ist ein weiterer Kritikpunkt: Computerspezialisten kennen viele Möglichkeiten, sich zu schützen. Die anderen sind hingegen ungeschützt.

Trojaner werden also von privaten Fremdfirmen programmiert und verkauft?

Viele Behörden, die sich auf ein Geschäft mit Trojanern einlassen, bedienen sich mittelbar auf dem Schwarzmarkt für Sicherheitslücken. Eigentlich sollte der Staat seinen Bürgern dabei helfen, Sicherheitslücken zu schließen, und nicht selbst Sicherheitslücken aufreißen. Denn die stehen dann auch Dritten offen.


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