Kommentar Clubszene

Steckt das Wiener Nachtleben in der Krise? Keine Panik!

Falter & Meinung | Katharina Seidler | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Pratersauna, Grelle Forelle, Flex, Auslage, Celeste, Café Leopold, Kantine, Sass, Dual, Werk: Wer das Wochenende in Wien durchtanzen will, hat in der elektronischen Musik-Clubszene viele Möglichkeiten. Beobachter warnen längst: zu viele.

Tatsächlich finden jeden Donnerstag bis Samstag zahlreiche Events statt, oft mit aufwendigem Booking eines internationalen DJ-Gasts. Für die Veranstalter kann sich das kaum auszahlen, nicht einmal nur im buchstäblich finanziellen Sinn. Eine Party mit kaum halbvollem Dancefloor macht schließlich allen Beteiligten auch weniger Spaß.

Noch vor ein paar Jahren war die spürbare Aufbruchsstimmung im Wiener Nachtleben etwas Positives. Junge DJs trauten sich auf einmal, ihre Idole selbst einzuladen, deutsche Studenten vervielfachten die Klientel, neue Clubs wie die riesige Grelle Forelle oder das reformierte, gemütliche Celeste sperrten auf. Dass der Partykuchen langsam zu groß für sein Publikum geworden ist, rief nun online einen altbekannten Panikbegriff auf den Plan: Krise!

Wie zum Beweis heißt es seit Tagen, die Pratersauna, einer der beliebtesten Player am Platz, werde in Kürze neu verpachtet. Bestätigt ist vonseiten der Sauna-Betreiber nichts, aber selbst wenn das Gerücht stimmen sollte, muss man daraus nicht das Elend des Wiener Nachtlebens herauslesen. In Berlin oder New York etwa ist es ganz normal, dass Clubs nach einigen Jahren zusperren, übersiedeln oder anderen Platz machen. Die Wiener Partywelt wird sich in nächster Zeit wohl etwas verkleinern. Dann kommt etwas Neues, es schaukelt sich wieder hoch oder pendelt sich ein.

Wien ist eine Weltstadt, seien wir froh, dass hier viel passiert.


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