Theater Kritiken

Schiller reloaded: Im Wartesaal Europas

Lexikon | VERONIKA KRENN | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Karl Moor ist besoffen, rutscht in dubiose Kreise, eine Intrige lässt ihn eine fatale Entscheidung treffen, bald brennt eine Stadt. Im 18. Jahrhundert wär's eine Räuberbande gewesen -heute der IS? Vielleicht ein kleiner Schritt, vom jugendlichen Revoluzzer zum Terroristen, von innerhalb der Gesellschaft nach draußen: Schillers "Die Räuber" wird in der Inszenierung von Pedro Martins Beja zu einer lässigen Versuchsanordnung. Fünf Schauspieler nehmen im "Wartesaal Europas" Platz, ein Zug braust heran. Es heißt, Sicherheitsabstand einhalten. Vom Band kommen Szenenansagen, los geht's. Alles beginnt und endet beim Bruderzwist. Dazwischen gibt es kein Honigschlecken. Der Schritt von der Räuber-Historie zur Aktualität ist im Werk X näher, als man denkt: Was passiert, wenn die, die nicht vom Kuchen naschen dürfen, aufstehen?

Werk X, Sa, So, Do 19.30


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