Sport Glosse

Das Ziel der Selbstdressur, ist die tolle Sportlerfigur

Stadtleben | Johann Skocek | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Ein Spitzensportler ist in guten Tagen ein Vorbild dafür, wie perfekt der Mensch sich selbst dressiert. Peter Sloterdijk nennt das "Eroberung des Unwahrscheinlichen". Anna Fenninger, amtierende Sportlerin des Jahres, war drei Jahre lang ein Beispiel dafür. Doch im Mai betrat sie den Raum des Schmerzes. Sie beschwerte sich über die Missgunst, die ihr im Skiverband entgegenschlug. Ein Rosenkrieg mit dem ÖSV entspann sich, am Ende trennte sich Fenninger von ihrem Manager Klaus Kärcher. Bis heute steht auf ihrer Facebook-Seite das Posting in dem sie anmerkt, "jahrelang hintergangen" worden zu sein. Nicht von Kärcher, wohlgemerkt. Der Unterwerfung unter das ÖSV-Regime folgte ein Sponsorvertrag mit einer Schokofirma. Wochen später verletzte sie sich beim Training schwer. Fenninger wird das laufende Wettkampfjahr für ihre Genesung brauchen. Der Stress in ihrem Leben ist im Sommer öffentlich geworden, seither steigt er in Sprüngen von unvorhersehbarer Quantität an. Die Eroberung des Unwahrscheinlichen gelingt nur, wenn der Dompteur und der Übende im Menschen zusammenarbeiten. Ist einer von ihnen abgelenkt, gerät die Selbstdressur außer Kontrolle und das Unwahrscheinliche bricht über den Übenden herein.

Johann Skocek über die Dressur im Spitzensport


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