Der Herr der Klinge

Türkische Friseure sind Wiener Tradition. Ein Samstagabend mit "Jey die Schere"

Stadtleben | Haarprobe: Lukas Matzinger | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Es ist doch so: Der gemeine Wiener geht nicht leidenschaftlich zum Friseur, nicht trimuphierend - er geht halt, weil er muss. Hier, am Brunnenmarkt, an einem gewöhnlichen Samstagabend, ist das ein bisschen anders.

Wer durch die Tür vom "Elit"-Friseur in Ottakring geht, betritt eine andere Welt. Fünf Kunden auf fünf Sesseln, dahinter nochmal sechs, die warten. Einer hat Wattestäbchen mit heißem Wachs in den Nasenlöchern, einer lässt sich seinen Schnauzbart föhnen, ein anderer für gut 15 Minuten eine grüne Gesichtsmaske einziehen. Der Chef legt via Youtube türkische Schnulzen auf, und Red Bull geht hier aufs Haus.

Schon lange bevor die Hipster-Barbershops samt ihren "Hot Towel Shaves" mit coolen amerikanischen Bartwichsen aus den Siebenter-Bezirk-Böden geschossen sind und noch bevor der gelernte Großstadtmann überhaupt den Bart wieder zurückerobert hatte, hat es in Wien echte, ziemlich professionelle Bartmeister gegeben. Und die haben sich ihre bescheidene Tradition bis heute


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