Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Offene Worte

Steiermark | Donja Noormofidi | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Am Grenzübergang Spielfeld kam es immer wieder zu brenzligen Situationen. Besonders am Übergang zwischen dem sogenannten Niemandsland und Österreich wird es zuweilen gefährlich eng. Unter diesen Eindrücken schrieb der junge Bürgermeister aus dem südsteirischen Wagna einen Brief an den Kanzler. "Ich bin der festen Überzeugung, dass ihr durch euer Nichthandeln Menschenleben riskiert", steht etwa darin. Peter Stradner sprach vielen Helfern aus der Seele , sein Brief wurde auf Facebook mehr als 3000-mal geteilt. Schon davor hatte er von sich hören lassen, weil er kurzerhand eine Sporthalle geöffnet und über Nacht fast 700 Flüchtlinge aufgenommen hatte. Und am Nationalfeiertag sagte er den Bürgermeister-Wandertag ab und karrte die Schnitzelsemmeln lieber zu den Helfern an die Grenze.

Mittlerweile ist es in Spielfeld ruhiger geworden. Ein neues Zelt wurde aufgestellt und die Abläufe wurden effi zienter gestaltet, eine kroatische Hilfsorganisation kümmert sich nun um die Menschen im Niemandsland, wo Flüchtlinge bisher ohne Essen und Wasser ausharren mussten. Doch noch immer bekommen die Menschen im Transitlager keine Informationen und werden Familien in den Schleusen getrennt, berichten Helfer. Ruhiger war es am Wochenende auch, weil weniger Flüchtlinge ankamen, doch die nächste Welle wird bereits erwartet. Weitere Verbesserungen sind daher nötig. Doch die Regierung stritt zuletzt lieber über die Frage: Zaun oder nicht Zaun? Eine Entscheidung stand bei Redaktionsschluss noch aus.

Kein Wunder, dass auf Facebook hunderte den Bürgermeister für seine offenen Worte beglückwünschten. Von so viel Zuspruch kann die Regierung nur träumen.

Donja Noormofidi ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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