"Von Mazornik über Potzneusiedl nach Wien"

Stadtleben | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Die 24-Stunden-Betreuerinnen arbeiten normalerweise in Zweierteams, die sich alle 14 Tage abwechseln. Die logistisch interessante Frage ist: Wie kommen all diese Frauen von ihren (oft abgelegenen) Heimatorten an ihre (oft abgelegenen) Arbeitsstätten? Die Antwort findet man im burgenländischen Potzneusiedl, auf einem Parkplatz im Niemandsland neben der Autobahn. Zwischen 4.00 und 4.30 Uhr nachts herrscht hier plötzlich Hochbetrieb. Ein Kleinbus nach dem anderen fährt vor, 50 insgesamt, mit jeweils sieben dösenden Frauen an Bord. Die Autos kommen aus verschiedenen Regionen der Slowakei, wo sie die Frauen - je nach Entfernung - zu verschiedenen Zeiten vor der Haustür abgeholt haben. Hier in Potzneusiedl ist nun der zentrale Umsteigeknoten. Jeder Fahrer hat ein Klemmbrett mit den Namen seiner Passagiere für die Weiterreise; aus den anderen Autos sucht er diese samt Gepäck zusammen. Eine halbe Stunde lang wird geplaudert, gescherzt, geraucht. Bis alle umgestiegen sind und die Autos, so plötzlich, wie sie aufgetaucht sind, wieder in der Dunkelheit verschwinden - nach Wien, Graz, Tirol.


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