STEIERMARK

Michael Gumhold lässt das Eigengeräusch des Plattentellers erklingen

Lexikon | AUSSTELLUNGSKRITIK: ULRICH TRAGATSCHNIG | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Auf Wunsch des Künstlers blieben die Spots ausgeschaltet. Es ging schließlich darum, die Kunsthalle Graz als möglichst neutralen Raum zu nutzen. Michael Gumhold verwandelt sie in die 23. Ausgabe von "[: Rehearsal: Room :]", verteilt darin Objektarrangements und Collagen frei und ungezwungen. Er bleibt darauf bedacht, die Assoziationsfäden, welche die Anspielungen auf die neuere Musikgeschichte, auf Ikonen und Stereotype rockigen Draufgängertums enthalten, nicht zu lautstark klingen zu lassen.

Dementsprechend entwickelt sich die Anordnung um einen Plattenspieler herum, der keine Vinylscheibe, dafür aber drei Dosen Haarschmalz zum Rotieren bringt und dabei rhythmisch unheimlich hartnäckige, sonst aber dezente Eigengeräusche von sich gibt. Als brächte der sogenannte Kunstkontext, den ein Ausstellungsraum letztlich immer verkörpert, nicht ohnedies schon genug an Inszenierung mit sich, gerade dann, wenn er auf "white cube" macht und sich in den entsprechenden Präsentationsformeln übt. Die machtvolle Gestik der Einbeziehung von Alltagsgegenständen in die Kunst, in ein System ästhetischer Wahrnehmung und metapherngeiler Interpretation funktioniert selbst unter Verzicht auf penetrante Lenksysteme, die immerhin auch Gefahren mit sich bringen: Kitsch lauert schließlich immer und überall. Daraus ergibt sich eine nüchterne Installation, die ihre Requisiten -von der Kompaktkassette bis zum Bass-Drum-Pedal, von der Dreschkeule bis hin zu den dunkelsten Augenringen - in ironische Ordnungsstrukturen bringt und damit als Instrumente der Kulturanalyse aufruft. F Kunsthalle, Graz, bis Mi, 16.00 bis 19.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige