Kunst Kritik

Verbrannte Leere, weiße Löcher

Lexikon | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Die kommerzielle Orientierung vieler Museen drängt die wissenschaftliche Arbeit an den Rand. Eine Ausnahme bildet das Wiener Belvedere, das immer wieder wertvolle Beiträge zur neueren österreichischen Kunstgeschichte beisteuert. Der Kärntner Künstler Hans Bischoffshausen (1927-1987) ist das Thema der sehr schön inszenierten Ausstellung "Mehr als Zero -Hans Bischoffshausen ", die einen zu wenig beachteten Avantgardisten in die Nachkriegsmoderne einbettet.

Wie Lucio Fontana in Italien und die deutsche Künstlergruppe Zero experimentierte Bischoffshausen mit Monochromie und Reduktion. Er malte weiß in weiß, lochte und verbrannte die Bildflächen. Leere und Stille waren das Ziel künstlerisch-spiritueller Übungen, mit denen sich der Künstler von der traditionellen Malerei löste; die gewohnten Farben und Formen schienen im verbraucht.

Die große Qualität dieser von Harald Krejci kuratierten Ausstellung ist die Rekonstruktion des Kontextes von Bischoffshausens Schaffen. Besonders produktiv war das Engagement des Galeristenpaares Heide und Ernst Hildebrand, die 1961 in Klagenfurt eine Galerie eröffneten, wo sie radikale neue Kunst zeigten. Hier waren etwa die niederländische Nul-Gruppe und die deutsche Zero-Gruppe zu Gast. Wie Bischoffshausen, der mit den Hildebrands in engem Austausch stand, ging es diesen Künstlern darum, nach dem Zweiten Weltkrieg mit der ideologisch kontaminierten Vergangenheit zu brechen.

Bischoffshausen lernte die neuen Tendenzen in Mailand und Paris kennen und stellte dort auch aus. Fontanas Schnittbilder oder das monochrome Blau von Yves Klein sind verwandte künstlerische Gesten, die ihre Zeit besser überlebt haben als das Werk Bischoffshausens. Das Belvedere ist das erste staatliche Museum, das ihm eine Retrospektive widmet. MD Belvedere, bis 14.2.


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