Stadtrand Urbanismuskolumne

Der letzte Tango in Wien

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Anfang vergangener Woche hat Herr Life Ball, Gery Keszler, verkündet, 2016 werde er das Verkleidungsspektakel ausfallen lassen. Eine "kreative Pause" soll es sein, man wolle der HIV-Charity-Sause noch mehr "Tiefe verleihen" und den Ball "auf eine neue inhaltliche und noch stärker internationale Ebene heben".

Wahrscheinlich blieb ob dieser Nachricht nicht nur vielen Life-Ball-Fans, sondern vor allem diversen Amtsträgern, Sponsoren und Wirtschaftsleuten erst mal die Spucke weg -immerhin spült die schräge Party via Tourismuswertschöpfung jährlich rund 4,5 Millionen Euro in die Stadt.

Trotzdem: Die Nachdenkpause ist eine weise Entscheidung. Denn was 1993 als schwule Einmalaktion für den guten Zweck geplant war, ist längst institutionalisiert und an Superlativen nicht mehr zu überbieten. Ob Elton John, Sharon Stone, Sean Penn oder Jean Paul Gaultier - Gery Keszler hatte sie alle. Und wenn einmal der ehemalige US-Präsi Clinton regelmäßig auf einem Ball im Zwergenstaat Österreich tanzt, fragt man sich zu Recht, wen man noch aus dem Hut zaubern soll? Den Papst?

Birgit Wittstock findet die alte Binsenweisheit vom Aufhören, wenn's am Besten ist, recht clever


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