Film Neu im Kino

Getragenes Künstlerporträt: Giovanni Segantini

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 46/15 vom 11.11.2015

Giovanni Segantini war zeit seines Lebens vom Thema der Mutterschaft eingenommen. Dies schlug sich in Abbildungen von Mensch und Tier mit Nachwuchs nieder, aber auch in symbolistischen Werken wie "Die bösen Mütter". Durch den frühen Tod seiner Mutter lebte der 1858 in Arco geborene Maler teilweise auf der Straße. Nachdem er in Mailand Kunst studiert und seine große Liebe Bice Bugatti kennengelernt hatte, zog es ihn mit seiner Familie in die Berge, zuletzt ins Schweizer Dorf Maloja. Hier widmete er sich seinem zweiten Hauptmotiv: dem alpinen Raum, seinen Bewohnern sowie - im Speziellen -seinem Licht.

Mit "Giovanni Segantini - Magie des Lichts" setzt Christian Labhart dem Maler ein filmisches Denkmal. Chronologisch seinem Lebenslauf folgend, begleiten die Filmbilder zwei literarische Quellen: Bruno Ganz liest aus Segantinis Schriften, in denen dieser über seine Kunst reflektierte, Mona Petri aus Asta Scheibs Segantini-Roman "Das Schönste, was ich sah". Das Ergebnis ist eine intime Studie in getragenem Tonfall, die viele hübsche Details enthält: Die Präsentation der Kunstwerke, die oft von Nahaufnahmen zur Gesamtansicht übergeht, funktioniert ebenso gut wie die Idee, die Musiker, die Werke von Paul Giger, Bach und Mozart als Soundtrack zum Leben erwecken, für Momente einzublenden.

An anderen Stellen haben die heutigen Aufnahmen aus Segantinis Aufenthaltsorten allerdings recht wenig zu den Texten beizusteuern, weshalb der Film den Charakter eines bebilderten Hörbuchs bekommt. Insgesamt hätte ein distanzierterer Blick nicht geschadet -"trockene" kunsthistorische Einordnungen oder Gespräche mit Segantinis Nachfahren würden das emotionale, manchmal repetitive Porträt nicht stören, sondern fruchtbar ergänzen.

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