Kommentar Burgtheater-Skandal

Endlich gesteht sie: Silvia Stantejsky, der Sündenbock

Falter & Meinung | Stefanie Panzenböck | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Silvia Stantejskys Schuld schien von Anfang an plausibel. Wer, wenn nicht die ehemalige kaufmännische Direktorin soll verantwortlich sein für finanzielle Malversationen, die Schulden des Burgtheaters, kurz, für die gesamte Katastrophe, auf die das Haus am Ring zugesteuert war.

Der damalige Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer bezichtigte Stantejsky von Beginn an "doloser Handlungen", Burg-Direktor Matthias Hartmann hielt noch eine Zeitlang zu ihr, bis Springer auch an dessen Ast sägte. Hartmann wurde fristlos entlassen, während Springer in eine verfrühte Pension gehen durfte.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen alle drei, nun hat Silvia Stantejsky ein Geständnis abgelegt. Sie hat Gelder in der Höhe von knapp 280.000 Euro veruntreut. Damit stopfte sie Löcher im Budget, glich die Jahresbilanz aus. Sie galt als chaotisch, intransparent in ihrer Arbeit und wollte den Schauspielern alles recht machen. Das Theater war ihr Leben. Dass - Aufopferung hin oder her - Veruntreuung eine Straftat ist, bleibt unbestritten und unentschuldbar. Die Frage ist: Warum hat sie das getan?

Stantejsky gibt an, unter Erschöpfungsdepression und großem Druck gelitten zu haben. Springer wollte eine "schwarze Null". Wie sie zustande komme, sei dem Aufsichtsrat wurscht, erklärte er in einer aufgezeichneten Aufsichtsratssitzung. Stantejsky tat, wie ihr geheißen.

Es ist anzunehmen, dass jeder um die finanzielle Misere der Burg gewusst hat. Stantejsky machte sich zur willigen Handlangerin der Täuscher und wurde dann zum ewigen Sündenbock. Wenn sie verurteilt wird, ist das für niemanden ein Grund, sich abzuputzen.


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