Vor 20 Jahren im Falter

Jubiläum!

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Jubiläum - auch wenn dieses Wort wegen jahrelangen Missbrauchs in der Möbelhändlerbranche auf den Index des Wahnsinns gehört, sagen wir, dieser Falter war das Heft der Jubiläen. Sieben Jahre Holzer, das musste gefeiert werden. Schon damals erwähnte Holzer gern meine Verdienste um seine Karriere, und Doris Knecht fasste diese trocken so zusammen: Weil der Jüngling derart stark das Begehr äußerte, Gourmetkritiker zu werden, "dass er bereit war, die Spesen seiner Berufung selbst zu übernehmen, sagte Chefredakteur Armin Thurnher: ,Okay, von mir aus.'"

Weiters waren zu begehen: Null Jahre Hader. Nämlich als Obmann der Initiative SOS Mitmensch. Bernhard Odehnal interviewte den neuen Obmann, der auch anlässlich einer Verschärfung der Fremdengesetze im öffentlichen Interesse stand. Er lieferte gleich eine feine Analyse von Jörg Haider: "Das Problem bei Haider ist ja nicht, dass er so ein großes Schlitzohr ist - es gab viel fähigere Politiker, die noch viel größere Schlitzohren waren. Es geht auch nicht darum, dass er ein gläubiger Nazi ist, er ist höchstens, wie mein Kollege Werner Schneyder sagt, ein ,Marktlückennazi'. Das Problem ist eher, dass Haider ziemlich bedenkenlos agiert, um an die Macht zu kommen, und dass er als Mitbewerber leider lauter Leute hat, die unglaublich ungeschickt sind."

Hans Hurch hingegen schloss eine Arbeitsperiode ab, zwei Jahre, die er als Kurator von Hundert Jahre Kino diente, und blickte auf zwei Jahre Viennale voraus. Es wurden, wie wir bald sehen werden, 20. Markus Wailand porträtierte Hurch, der als Lebensmotto den Spruch von Melvilles Bartleby reklamierte: "I'd rather not."

Letztes Jubiläum: Thomas Seifert berichtete aus New York vom 40-jährigen Bestandsjubiläum der Village Voice, dem Vorbild des Falter, zumindest was das Format anbelangt. Damals war die Voice noch in Ordnung. Der Herausgeber verweigerte eine Imagekampagne für das Blatt mit der Begründung, man sei "schwierig, verschroben und rechthaberisch". Das lasse man sich nicht durch Werbung zerstören.


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