"Entartete Musik": Das Treffen von Rock und Klassik muss nicht immer scheitern

Feuilleton | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

An sich ist es eine Schnapsidee, eine Rockband und ein Orchester zusammenzuspannen. Was schon bei Deep Purple nicht gut ging, wurde in der Folge kaum je besser: Rock und Klassik vertragen sich nicht. Denn Bassdrum und Stromgitarre lassen keine Subtilität zu, und mit Bombast war dem Rock andersrum auch nie gedient.

Als das Sinfonieorchester der Düsseldorfer Robert Schumann Hochschule im Herbst 2013 die Toten Hosen zu drei gemeinsamen Konzerten einlud, schien also klar: Der Zweck heiligt die Mittel. Schließlich ging es darum, an die 1938 in Düsseldorf eröffnete Nazi-Ausstellung "Entartete Musik" zu erinnen und Werke einst verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten aufzuführen.

Doch siehe da, die nicht eben für ihre Subtilität bekannten Rocker und das Klassikensemble passten durchaus zusammen, wie der Mitschnitt dieser außergewöhnlichen Abende zeigt. Die Stromgitarren blieben daheim, und Sänger Campino macht nicht nur bei Stücken von Brecht/Weill oder der Comedian Harmonists gute Figur, er bewältigt auch Schönbergs erschütterndes Stück "Ein Überlebender aus Warschau".

Teile bestreiten die Sinfoniker alleine, am Ende findet sich noch eine Auswahl politischer Songs der Toten Hosen wie "Willkommen in Deutschland" oder "Europa". Mit Orchester, aber ohne Bombast.


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