Ohren auf

Das Gute lässt sich meist schlecht einordnen

Vermischte Elektronik

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Musik ist eine zu große Macht, um sie in kleine Genres zu zerpflücken. Das beweist "By Accident" (Shash), das neue Album des heimischen Produzenten Abby Lee Tee. Spuren von Hip-Hop finden sich darauf, Ambient und "exotische" Klänge aus aller Welt. Seine meist instrumentalen Stücke basieren auf Field Recordings und fließen angenehm ruhig vor sich hin, für einen Soundwissenschaftler agiert Abby Lee Tee unnerdig und hörerfreundlich. Gäste wie Beat-Champion Wandl oder Popstimme extraordinaire Mimu sorgen zudem dafür, dass die Platte trotz ihres Chillout-Charakters sehr lebendig klingt.

Lange Zeit gelassen fürs Debüt hat sich das Wiener Duo Julian &der Fux, das in den letzten Jahren mit elektronischem Pop zwischen House, 80er-Elementen und Lounge-Anklängen bekannt wurde. Trotzdem plätschert "Vanille" (Jhruza) leider über weite Strecken vor sich hin, weil weder die verwendeten Sounds noch die Songideen besonders funky oder zündend sind.

Eine neue Baustelle hat die oberösterreichische Electro-House-Band A.G. Trio aufgemacht. Bei ihrem Projekt Ages ist Tanzbarkeit nebensächlich, die Songs stehen im Vordergrund. Das mit zahlreichen Gaststimmen entstandene Album "Roots" (Etage Noir Special) bietet atmosphärisch-melancholischen Electropop. Auch dieses Debüt klingt nicht unbedingt edgy, aber zumindest abwechslungsreich.

Wie man 2015 eine Fass aufmacht, demonstriert der Superdrummer Lukas König, bekannt von Koenigleopold und Kompost 3, mit seiner Soloshow Koenig. Als Rapper auffällig geworden ist der gute Mann erstmals auf dem Bilderbuch-Stück "Softdrink". Mit der "Koenig EP" (Laub) lebt er sein Faible für Hip-Hop nun hemmungslos aus. Lyrischer Furor, derbe Grooves und fiese Synthesizer treiben die Stücke an. Das ist bisweilen sehr weit draußen, klingt aber trotzdem ungemein dringlich und mitreißend.


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