Ein Mörder mit einem Händchen für Blumen

Wie sein Roman "Das fahle Pferd" belegt, war der berüchtigte Terrorist Boris Sawinkow auch ein guter Schriftsteller

Feuilleton | Lektüre: Klaus Nüchtern | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Das Schreckliche an Selbstmordattentätern ist, dass sie ihren eigenen Tod mehr oder weniger freudig in Kauf nehmen. Das verleiht ihnen gegenüber uns, die wir dies definitiv nicht wollen, eine gewisse Überlegenheit. Diese Arroganz gegenüber dem eigenen Leben ist aber keineswegs eine Erfindung des aktuellen Dschihadismus, sondern grassierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in Europa. "Guillotine, / Marterholz? / Ha, was soll's! / Guillotine ist mein Leben. / Muss ich sterben? - ist mir recht. / Und der böse Henkersknecht /wird von mir auch noch verlacht: / Täglich werd ich umgebracht ( )."

Ob Boris Sawinkow in Moskaus berüchtigtem Lubjanka-Gefängnis vom Geheimdienst umgebracht wurde oder Suizid beging, hat zu zahlreichen Spekulationen Anlass gegeben. Fest steht, dass er zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen hatte, auch wenn er vermutlich nie persönlich Hand angelegt hat, sondern -wie bei den erfolgreichen Attentaten auf den russischen Innenminister Plehwe im Jahr 1904 und den


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