Buch der Stunde

Madness, Freiheit und Geborgenheit

Feuilleton | Dominika Meindl | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Im Umland von Stuttgart, irgendwann in den 1980ern: Goethe habe Werther doch nur in den Selbstmord geschrieben, "damit das Ende gut knallt", verkündet Gymnasiast und Erzähler Höppner im Deutschunterricht. Ohne zu wissen, dass unmittelbar zuvor sein Freund Frieder einen Suizidversuch unternommen hat.

Nach der Therapie zieht Frieder in das alte Bauernhaus seiner toten Großeltern. Die im Englischen nicht sattelfesten Nachbarn nennen es "Auerhaus", weil dort den ganzen Tag der Popsong "Our House" von Madness läuft. Frieder bleibt nicht lang allein. Mit der promisken Vera, der verwöhnten Cäcilia, der Brandstifterin Pauline und dem schwulen Lehrling Harry bildet er bald eine Wohngemeinschaft.

So wie ein Weltfußballer auf engstem Raum zaubert, gelingt es den Bewohnern, in der biederen Umgebung Anarchie mit Geborgenheit zu verbinden. Zumindest für eine Weile: "Wir lebten ein richtiges Leben mit Aufstehen und Frühstückmachen und Federballspielen, mit Essenbesorgen und zusammen kochen."


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