"Jugoslawien war super"

Ivan Osim, bosnische Fußballlegende und ehemaliger Trainer des SK Sturm Graz, 20 Jahre nach Dayton über den Jugoslawienkrieg, die zwiespältige Rolle Europas und natürlich Fußball

Steiermark | Interview: Katharina Siuka/Sarajevo | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015


Foto: Hans Klaus Techt / APA / picturedesk.com

Foto: Hans Klaus Techt / APA / picturedesk.com

Man kennt ihn hier: Gäste des Kaffeehauses Bečka Kafana blicken sich nach Ivan „Ivica“ Osim um, wollen ein Foto mit ihm schießen. Das ist dem 74-Jährigen fast unangenehm; trotz seines Ruhmes gab er sich schon immer bescheiden. Das Café nach alter Wiener Tradition liegt im Herzen von Sarajevo. Zu seiner Kava, dem bosnischen Kaffee, bekommt der Trainer süßes Lokum serviert. „Kosten Sie! Für mich ist das zu gefährlich, zu viel Zucker“, bietet Osim an – nur um sich dann doch eine Portion für sich selbst und seine Frau zu bestellen. Er öffnet ein Zuckerpäckchen mit den Schneidezähnen und kippt den Inhalt in die Kava. Obwohl es ihm nach einem Schlaganfall vor acht Jahren gesundheitlich nicht gut gehe, scherzt Osim und gestikuliert wild mit seinem gesunden rechten Arm. Fragen zu stellen ist gar nicht so leicht, er erzählt einfach, etwa über den Jugoslawienkrieg, dessen Narben immer noch in Form von Einschusslöchern in den Häuserfassaden Sarajevos zu sehen sind – und das genau 20 Jahre nach Abschluss des Dayton-Friedensabkommens.

Falter: Herr Osim, wie geht es Ihnen?


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige