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Der Mann, den sie "Kaiser" nannten und der keine Schatten kannte

Johann Skocek und das Märchen des gütigen Kaisers

Stadtleben | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Es war einmal ein "Kaiser", vom Volk ernannt, vom Volk geliebt. Er lebte in einer Zeit, als es keine Monarchie mehr gab und Adel nur in Schundblättern. Wo er hinkam, huschte ein Lächeln über die Gesichter. Stets umgab ihn mildes Licht, das alle Schatten fernhielt. Der "Kaiser" wurde zu einer Gewohnheit, einem Möbelstück des Landes. Und er lächelte. Es gefiel ihm, seinem Volk zum Dank eine Feier auszurichten, wie sie das Land noch nicht gesehen hatte. Noch wenn er seiner Unsterblichkeit zum Trotz längst gestorben wäre, würden sie von dem Märchen raunen, das der "Kaiser" ihnen geschenkt hatte. Er musste sich anstrengen, um die Feier zu organisieren. Das war neu für ihn. Er ahnte schon damals, er würde es bereuen. Aber konnte er Menschen, die ihn "Kaiser" nannten, enttäuschen? Das Märchen ward Wirklichkeit und er warf darauf sein mildes Licht und lächelte. Viele Jahre später hielten sie ihm ein Schriftstück mit seiner Unterschrift vor und verlangten von dem Mann, "der sich einst Kaiser nennen ließ", eine Erklärung. Warum einst? Was hatte sich geändert? Und der Mann, "den sie einst Kaiser nannten", blickte an sich herunter und sah, was er noch nie gesehen hatte. Einen dunklen Fleck, den sie "Schatten" nennen.


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