Nüchtern betrachtet

Ich muss die Seele vom Stöger retten

Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Feuilleton | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Zu den elendsten Erscheinungen im Weichbild der Stadt zählen fraglos die Wachturm-Verkäufer. Im Unterschied zu den Augustin-Feilbietern, die sich mitunter einer zigeunerbaronhaften Jovialität befleißigen, sehen die Eckensteher der Zeugen Jehovas stets so aus, als würde man ihnen gleich die letzten Deziliter Zweisternehotelthermoskannenkaffee abzapfen, der an Blutes statt durch ihre Adern rinnsalt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich einen Wachturm-Verkäufer je einen Wachturm habe verkaufen sehen. Die müssen wohl gar keinen Umsatz machen und es reicht, dass sie ein bisschen Weltrettungswillen demonstrieren. Dergleichen ist natürlich eine Zumutung, gegen die es sich zu wappnen gilt - frei nach dem guten alten Zweizeiler von Andreas Okopenko:

"Alte Leute muss man treten, / Weil sie sonst für einen beten." Dennoch dauern mich die Wachturmis. Dass Seelenrettung gewaltig Stress machen kann, habe ich am eignen Leib erlebt, war mein Schulfreund Gerald doch in der dritten Klasse aus dem


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige