Selbstversuch

Ich weiß, das werde ich noch bereuen

Doris Knecht ist so froh, wenn sich von den Jungen mal eine nichts scheißt

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Es ist da offenbar ein Social-Media-Kriegerl zwischen zwei österreichischen Schriftstellerinnen ausgebrochen. Die eine Schriftstellerin scheint ein bissl neidig auf die gerade sehr erfolgreiche andere zu sein und twittert zarte Gehässigkeiten, wie dass die andere, jüngere, einen auf Arbeiterkind mache, aber einen Manager habe, worauf die auf Facebook einen Wutausbruch bekommt und die Angreiferin Bitch nennt.

Das ist natürlich alles insgesamt ganz schön deppat, macht dem Publikum aber Freude und bestätigt wieder einmal alles, was ich je Negatives über Twitter gesagt habe. Es ist ein Strebermedium: Erster! Lautester! Lautester Erster! Unglücklicherweise hat man bei Twitter, anders als wenn man einen echten, selbstmörderischen Blödsinn in eine Falter-Kolumne schreibt, keine Redakteurin, die anruft und sagt: Du, im Ernst jetzt, willst du dir das nicht noch einmal überlegen? Siehe auch: Matthias Matussek. Der wünschert sich das jetzt wahrscheinlich auch. Wieso hat ihm keiner gesagt, dass es auch andere Smileys gibt! Hätte er das gewusst, hätte er doch das Sonnenbrillen-Emoji verwendet! Obwohl ich mir auch nicht sicher bin, ob er damit besser gefahren wäre. Und halt, das war ja bei Facebook, wo aber eben nur Damennippel sofort entfernt werden.

Trotzdem halte ich Twitter für das gefährlichere Medium, ganz besonders für so Häferln wie mich, die leicht übergehen und es keine fünf Minuten später bereuen, auch deswegen halte ich mich fern. Sargnagel ist, glaub ich, auch nicht bei Twitter.

Ich finde übrigens, die macht alles richtig, unter anderem hat sie jetzt ihr zorniges Facebook-Bitch-Posting wieder gelöscht ("Nur kurz aufgeregt. Jetzt weiter brav mit dem Weltkrieg beschäftigen"), weil sie es nicht nötig hat, auf so einen merkwürdigen Untergriff zu reagieren. Oder weil der Manager dazu geraten hat. Irgendwann wird sie vielleicht auch ihr komisches Barett absetzen. Oder auch nicht, passt auch.

Man ist ja so froh, wenn sich von den Jungen mal eine so nichts scheißt wie die. Wobei das Nix-Scheißen, siehe auch Wanda, gerade mächtig im Trend liegt und bald so viele Nachahmer in abgefetzten braunen Lederjacken finden wird, dass ich noch bereuen werden, dass ich mir einmal mehr juvenile Nix-Scheißer gewünscht habe.

Wobei mir die Nix-Scheißerinnen wesentlich wichtiger sind, deswegen auch Team Sargnagel, deren rotes Hauberl in diesem Raum-Zeit-Kontinuum garantiert nicht mehr schick wird. Aber brave Dutt-Mädchen haben wir jetzt dann doch langsam in ausreichender Zahl, wogegen es in Kunst und Kultur nie genug wilde, explizite Mädchen gibt und geben kann, denen es wurscht ist, wenn sie auch einmal ganz unmädchenhaft peinlich sind. Das sind bisher immer nur Ausnahmen. So wie aktuell Schnipo Schranke, eine sehr modern, explizit und lustig textende Mädchenband aus Hamburg, die es mit dem Realismus in ihren Lyrics so genau nimmt, dass es einem durchaus manchmal die Zehennägel aufrollt. TMI!!!! Aber gut.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige