"Anschläge mit hunderten Toten passieren bei uns jeden Tag"

Wie erleben Flüchtlinge die Terroranschläge in Paris? Zu Besuch in einem Döblinger Asylheim

Politik | Reportage: Nina Brnada | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Von seiner Straße aus konnte Amr früher die alte Hängebrücke über den Euphrat sehen. Die Franzosen hatten sie in den 1930er-Jahren erbaut, als seine ostsyrische Heimatstadt Deir ez-Zor Teil ihres Mandatsgebiets geworden war. 2013 wurde die Brücke im Syrienkrieg zerstört, aber sie existiert immer noch als Sehnsuchtsort. Zum Beispiel auf Facebook, als Amrs Profilfoto. Seit wenigen Stunden ist das Bild der alten französische Brücke mit der Trikolore unterlegt.

Viele Flüchtlinge wie Amr, die aus dem Orient gekommen sind, fühlen sich nach den Terrorattacken von Paris betroffen - aber anders als die Europäer. Ihre Deutungen der Ereignisse reichen von Verschwörungstheorien bis hin zu Ängsten um die eigene Zukunft.

Amr ist 15 Jahre alt, er wischt über sein Handy, er sitzt an einem kleinen Tisch mit seiner Mutter und dem älteren Bruder. Vor wenigen Tagen sind sie über Spielfeld nach Wien gekommen, seither wohnen sie in einer Flüchtlingsunterkunft der Caritas Wien in Döbling in der


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