Kunst Kritik

Vielstimmige Minderheit in Ost und West

Lexikon | NS | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Das Video zeigt eine Demonstration, ein Teilnehmer spielt Mundharmonika. Die Melodie geht im Straßentreiben unter, aber wer sich darauf konzentriert, kann den Westernklassiker "Spiel mir das Lied vom Tod" erkennen. Schließlich muss er aufhören und sich als Schutz vor dem Tränengas ein Tuch vor den Mund halten. In seiner Arbeit "This lemon tastes of apple" verknüpft der irakische Künstler Hiwa K Proteste gegen die Lokalregierung 2011 in Kurdistan mit der Erinnerung an Saddam Husseins Giftgasangriffe im Jahr 1988. Damals roch die tödliche Substanz nach Äpfeln.

Hiwa K ist in der sehenswerten Gruppenschau "Being Kurdish" vertreten, die Ausstellungsmacherin Gudrun Wallenböck derzeit in ihrem Kunstraum hinterland und im Foyer des Theaters Spektakel zeigt. Kurdische und nichtkurdische Künstler greifen darin Aspekte aus Geschichte, Identität und politischem Kampf dieses Volks ohne Staat auf. Das kann in Form von Porträts geschehen, wie in der Kohlezeichnung des in Wien lebenden Syriers Adel Dauood, der sich selbst als gehetzte Figur darstellt.

In einer interessanten Mischtechnik hält Hawar Aminis Köpfe fest - allerdings von hinten, um an die anonymen kurdischen Opfer zu erinnern. In ihrer Semidoku "november" erinnert Hito Steyerl an ihre Freundin Andrea Wolf, mit der sie in den 1980er-Jahren einen feministischen Kung-Fu-Film gedreht hat. Wolf schloss sich später der PKK an, wurde getötet und wird heute als Märtyrerin verehrt. Einen spannenden Atlas zum Thema hat die US-Fotografin Susan Meiselas angelegt: Von einer Landkarte hängen Büchlein über die Lebenswege von Kurden, in Teheran ebenso wie in Wien. Am 18.11. um 19 Uhr findet ein Gespräch mit dem Künstler Adalet R. Garmiany statt, dessen Organisation ArtRole sich für den kulturellen Austausch über die Grenzen hinweg einsetzt.

hinterland, bis 12.12.


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