"Qualitätsfragen will ich nicht stellen"

Zum Symposion Was wird Literatur? kommen Bachmannpreisträger, Blogger und Kitschroman-Autoren

Lexikon | Donja Noormofidi | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Mehr Gespräche und Diskussionen hat Klaus Kastberger versprochen, als er den Dienst als Leiter des Grazer Literaturhauses antrat. Dieses Versprechen will er nun mit dem Symposion "Was wird Literatur?" einlösen. Der Literat und Blogger Peter Glaser eröffnet, danach diskutieren, lesen und performen etwa Bachmannpreisträgerin Nora Gomringer, Blogger Don Alphonso, aber auch Poppy J. Anderson, die in Eigenregie Romane über Amazon verkauft. Das große Thema: die Zukunft der Literatur im digitalen Zeitalter. Kastberger erklärt, warum man dabei sein sollte.

Falter: Was wird denn Literatur, Herr Kastberger?

Klaus Kastberger: Die Frage ist in ihrer ganzen Doppeldeutigkeit zu verstehen. Aus welchen Quellen wird Literatur gemacht, und was wird Literatur im digitalen Zeitalter? Es geht um die Zukunft des Schreibens. Ich denke da an die Twitter-Literatur und an literarische Blogs. Interessant finde ich, wie die Autoren mit neuen digitalen Umgebungen umgehen. Ein extremes Beispiel ist Clemens Setz, der seinen ganzen 1000-Seiten-Roman auf dem iPad geschrieben hat.

Sie haben auch Poppy J. Anderson eingeladen. Ihre Bücher heißen etwa "Verbotene Küsse". Ist das nicht Schund?

Kastberger: Qualitätsfragen will ich nicht stellen. Ich kann nicht mit den Kategorien des Literaturbetriebs Formen jenseits dieses Betriebes bewerten, dann wird der Austausch schwierig. Poppy J. Anderson hat ihre Bücher über Selfpublishing via Amazon mehr als eine Million Mal verkauft. Wir mussten sie überreden, dass sie ins Literaturhaus kommt, da gibt es offenbar Berührungsängste.

Vielleicht fürchtet sie, dass der Literaturbetrieb auf sie herabblickt?

Kastberger: Diese Fragen wollen wir beim Symposion diskutieren. Es geht nicht darum, Poppy J. Anderson vorzuführen. Sie soll erklären, wie es funktioniert: Sie ist höchst erfolgreich, einen Verleger braucht sie gar nicht mehr.

Sie haben auch viele Blogger eingeladen?

Kastberger: Genau. Viele große Zeitungen leisten sich mittlerweile Blogger. Es gibt heute viel mehr Möglichkeiten, literarisch tätig zu sein, auch wenn man nicht im Literaturbetrieb mitmachen will. Blogger haben mehr Freiheit und können neue literarische Formen entwickeln. In unseren Handbüchern für Germanistik stehen Blogs noch nicht als Gattungselement drin. Aber das kann sich ja ändern.

Literaturhaus, Graz, Do bis Sa


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