Musiktheater Kritiken

Achim Freyer macht Don Giovannis Hölle augenfällig

Lexikon | HR | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015

Wären Donna Anna, Donna Elvira oder Leporello sängerisch mit Spitzenkräften besetzt, müsste man Achim Freyers "Don Giovanni" eine Jahrhundertaufführung nennen. Der Bühnen-, Licht- und Kostümkünstler inszeniert Mozarts Dramma giocoso als ideenreiches Marionettentheater mit bemalten und sich (ohne Drehbühne) drehenden Kulissen im Geist der Commedia dell'arte. Der am Ende von seinen Opfern erschlagene und in die Hölle geschickte "bestrafte Wüstling" entpuppt sich als Teil ihres eigenen - und unseres - Selbsts. Matronenhaft mit Moral ausgestopft führt Don Ottavio mit einer Paragraphen-Tafel Standgesten aus, die treue Gattin Elvira wackelt mit dem Stockerlpopo, Masetto schwingt einen Besen und nach dem Schlussbild speisen die Protagonisten mit Publikum und Regisseur Würstel im umfunktionierten "Ristorante Don Giovanni".

Volksoper, Fr, So, Di 19.00 (bis 4.12.)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige