Tiere

Echt geil!

Peter Iwaniewicz hasst Datenkraken, liebt aber Oktopusse

Falters Zoo | aus FALTER 47/15 vom 18.11.2015


Er hat acht Arme, ist sehr intelligent und zieht im Aquarienhaus alle Blicke auf sich“, schreibt mir der Tiergarten Schönbrunn und legt der Pressemeldung ein schönes Foto eines nackten Kraken bei. Dieses hat mich doch ein bisschen irritiert, auch wenn mich jüngere Menschen vermutlich deswegen für prüde halten: Auf der Abbildung ist eine recht explizite Abbildung des männlichen Geschlechtsorgans in voller Größe zu sehen. Kein Wunder, dass er damit alle Blicke auf sich zieht!

Einer der acht Fangarme des Oktopus ist am Ende löffelförmig umgewandelt und übergibt damit der Krakin auf sehr zivilisierte Weise sein Spermienhäufchen. Auch bei der Kopulation sind diese Tiere uns eher einfach gestalteten Menschen überlegen: Dieser Arm, auch Hectocotylus (zu Deutsch: „hunderte Näpfchen“) genannt, findet seinen Weg in die Mantelhöhle des Weibchens auch ganz allein. Soll heißen, auch ohne den restlichen Körper, falls dieser bei irgendeiner Rauferei abgetrennt wurde. Eigene Nervenknoten in den Fangarmen steuern einfache Bewegungsabläufe auch ohne das Gehirn. Hier darf man „Echt geil!“ als durchaus passenden Ausruf der Bewunderung verwenden. Und im Fall des Falles ist der Verlust dieses Arms keineswegs tragisch, denn dieser wächst in jeder Fortpflanzungsperiode wieder nach.

Obwohl diese Kopffüßer mit Muscheln und Schnecken verwandt sind, gehören sie zu den Top Ten der intelligentesten Lebewesen. Manche Forscher meinen, dass Kraken ebenso schlau wie Hunde seien und Irrgartenprobleme effizienter als alle Säugetiere lösen könnten. Als vife Räuber jagen sie nicht so gerne ihrer Beute – Krebsen und Fischen – nach, sondern plündern lieber die von Menschen ausgelegten Kescher. Gerne klettern sie auch auf Fischerboote und räumen dort das Lager aus.

Wir rächen uns dafür, indem wir sie essen. Nach den Angaben der Food and Agriculture Organization werden jährlich etwa 35.000 Tonnen gefangen und fangfrisch, gefroren, getrocknet oder gesalzen verkauft.

Ich hoffe, dass sich das nicht einmal rächt. Denn nach intensivem Studium von Science-Fiction-Filmen erscheint es mir höchstwahrscheinlich, dass Aliens krakenförmige Gestalt besitzen. Auch wenn die Zoodirektorin etwas anderes behauptet, vielleicht ist der jetzt in Schönbrunn zu besichtigende Krake nur die Vorhut einer extraterrestrischen Invasion.


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