Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Der sogenannte Seitenspiegel hält fest, wer was auf welcher Seite schreibt, fotografiert und illustriert. Im Falter wird dieser Plan in der Regel am Dienstag besprochen, am Donnerstag erstellt, am Freitag aktualisiert und am Montag ausradiert und neu geschrieben. Herrin über den Seitenspiegel ist die Chefin vom Dienst. Marianne Schreck schickte ihn diesen Freitag mit einem subtilen Hinweis an die Redaktion: "Müde macht uns die Arbeit, die wir liegen lassen, nicht die, die wir tun. Marie von Ebner-Eschenbach".

Chefredakteur Florian Klenk fügte dem Zitat sogleich eine zweite Zeile hinzu: "Und müde macht uns die Arbeit, die andere liegen lassen, nicht die, die wir tun." Daraufhin wandte sich Herausgeber Armin Thurnher an die Redaktion: "Müde liegt die Arbeit, wir tun nur so." Nina Horaczek stieg mit einem Zitat des Sozialisten Paul Lafargue in die Diskussion ein: "Wenn die Arbeit etwas Schönes und Erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." Woraufhin Unternehmer Thurnher erwiderte: "Und würden die ArbeiterInnen endlich etwas unternehmen, wären sie auch UnternehmerInnen!"

Schließlich beendete Falter-Betriebsrat Reinhard Hackl den Massenmailverkehr. Er schickte ein Foto aus, das das Denkmal des Waffenproduzenten Josef Werndl in Steyr zeigt. Erhaben blickt dieser auf seine in Bronze verewigten Arbeiter herab. Ein Pfeil weist auf die Inschrift des Denkmals hin: "Arbeit ehrt." Hackl gebrauchte nur ein Wort in seinem E-Mail, um die Bedeutung dieses Satzes zu unterstreichen: "Naja "


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