Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Der Albtraum auf unseren Tellern

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Stunden Videomaterial aus 20 Schlachthofbetrieben in ganz Österreich hat der Verein gegen Tierfabriken gesichtet, neun der Betriebe sind in der Steiermark. Zu sehen sind albtraumhafte Zustände. Schon die gesetzeskonformen Vorgänge sind erschreckend. Panisch schreien Schweine in der CO2-Betäubungskammer und schnappen nach Luft. Die Methode ist umstritten, aber legal. Doch die Maschinerie, die Tiere im Akkord tötet, bringt furchtbare Missachtungen der Vorschriften mit sich - und zwar durchgängig.

Da werden Schweine und Rinder routinemäßig mit Elektroschockern weitergetrieben. Verbotenerweise werden ihnen diese ins Gesicht und ans Genital gedrückt, auch verletzten Tieren. Viele Betriebe nehmen sich nicht einmal die Zeit, die Tiere ordentlich zu betäuben. Einige sind also bei Bewusstsein, wenn sie aufgeschlitzt werden, oder werden wieder wach. Der VGT zeigte alle Betriebe wegen Verstoßes gegen die Richtlinie an, wonach die Tiere vor und bei der Schlachtung vor unnötigem Leid verschont werden müssen. Es folgen zumindest drei Anzeigen wegen Tierquälerei.

Tierschutzlandesrat Jörg Leichtfried (SPÖ) kündigte "harte" Konsequenzen an, der für das Veterinärwesen zuständige Christopher Drexler (ÖVP) will "Kontrollen verschärfen". Wie ernst es damit ist, wird man sehen. Agrarlandesrat Johann Seitinger (ÖVP) hingegen wollte keine Stellungnahme abgeben. Er fühle sich nicht zuständig. Keine weiteren Fragen.

Klar ist aber: Auch die Gier nach billigem Fleisch hat ihren Anteil an dem System. Wir behandeln jene Lebewesen, von denen wir uns ernähren, mit der allergrößten Verachtung - wie jenseits ist das denn?


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