Wechsel- statt Gleichstrom: "Heb ab" mit Rupert, Ossi und vielen Fragen

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Wir sind legitimiert", steht in der Beschreibung zum theatralen Kompetenzcheck "Heb ab", den Theater am Ortweinplatz und Theater im Bahnhof auf die Bühne des TaO! bringen. Genau genommen sind es Rupert Lehofer und Manfred Weissensteiner, die sich mit Ausstatterin Johanna Hierzegger auf eine Fortsetzung ihrer sehr privaten Lebenszwischenbilanz "Position" einlassen.

Dass Improvisationstheater immer noch eine wesentliche Basis für TiB-Kunst ist, manifestiert sich unter anderem in der Entwicklung des Darstellers Rupert Lehofer, dessen Hang zur Erläuterung einer stetig wachsenden Privatenzyklopädie des (eh) wichtigen Wissens schon zahlreichen Stücken seinen Stempel aufgedrückt hat. In "Heb ab" wird die Position gewechselt, und Lehofer stellt (auch) Fragen. Mit Ossi Weissensteiner steht ihm dabei ein durch reiche Erfahrung legitimierter Schul- und Theaterpädagoge zur Seite. Gemeinsam weiten sie die in "Position" gestartete Selbstinventur auf das Publikum aus, das nicht nur zur Klärung von Gleich- und Wechselstromproblemen beiträgt, sondern auch kompetent an kleine und mittelgroße Fragen der Ethik herangelotst wird. Wer Mitmachtheater fürchtet, sei beruhigt, das Performerduo trägt sein Publikum mit freundschaftlicher Sorgfalt durch den Abend, niemand wird ausgestellt - aber der eine oder andere Seitenblick in den Spiegel ist schon dabei. Es ist ein unspektakulärer Abend. Seine leise, schwebende Poesie liegt in der trotzig lächelnden Verweigerung, unsere Unzulänglichkeit anzuerkennen, eine Antwort auf jede Frage des Lebens zu finden. Sehr liebens- und auch sehenswert.

Theater am Ortweinplatz, bis 26.11.


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