"Da zerreißt es uns"

Im Sommer erhängte sich in der Karlau ein Häftling, Anfang November starb einer an einer Überdosis Insulin. Warum?

Steiermark | Recherche: Gerlinde Pölsler | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Im Krankenzimmer in der Justizanstalt Karlau stehen sechs Betten. In einer Nische ist Platz für ein eigens versperrbares Kämmerchen: die Zelle von Jaresimo L. Der 51-Jährige ist in der Krankenabteilung als Hausarbeiter beschäftigt, er putzt und teilt Essen aus. Am Morgen des 4. November kommt der Strafgefangene nicht aus seiner Zelle. Als die Wachebeamten aufsperren, finden sie L. bewusstlos in seinem Bett. Es ist sieben Uhr morgens. Der Notarzt wird verständigt, L. ins Spital gebracht. Am nächsten Abend verstirbt er, er kam nicht wieder zu sich. Die Obduktion ergibt als Todesursache eine Überdosis Insulin, L. war aber nicht zuckerkrank. Die Spritze wird im Hof gefunden, Mordgerüchte machen die Runde.

Zwischen Herbst 2013 und April des Vorjahrs häuften sich im drittgrößten Gefängnis Österreichs die bedenklichen Todesfälle unter Häftlingen, vier starben an Suizid oder einer Überdosis. Besonders fragwürdig erschien der Fall von Ronny D., der im November 2013 verstarb. Im justiz-internen


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