Ohren auf Wiener Musik

Durchschnitts-Wiener, Charlie und Bobostan

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Seinen größten Hit der 1970er hatte André Heller Hermann Leopoldi zu verdanken, dessen "Schnucki, ach Schnucki" er als ironischen Schlager gab. 40 Jahre später kommt das Lied musikalisch ganz anders gekleidet zu neuen Ehren: Auf "Hermann Leopoldi. Ich bin ein Durchschnitts-Wiener" (Mandelbaum) besingt respektive besingsprecht Erwin Steinhauer neben dem "Schnucki" unter anderem noch ein kleines Café in Hernals, eine Badehütte in Kaisermühlen und die Barnabitengasse, dazu spielen Klezmer Reloaded Extended konzentriert, fidel und ausgelassen, genau, Klezmer-Musik. Schade nur, dass im schicken CD-Buch kein Platz für eine kleine Einführung in die Biografie und das Werk des jüdischen Wienerliedsängers Hermann Leopoldi war.

Trotz minimalistischer Besetzung geht es auch auf "Neubau" (Preiser) äußerst vital zu, dem zweiten Album des Duos BartolomeyBittmann. Stilistisch schwer zu fassen, spielen Matthias Bartolomey (Cello) und Klemens Bittmann (Violine, Mandola) eine der Improvisation zugeneigte und durchaus gerne einmal ordentlich hinlangende Form klassischer Musik. Das ist spannend zu hören, trotz poetischer Passagen als harmloser Soundtrack fürs Flanieren durch Bobostan aber definitiv ungeeignet.

Max Gaier und Hanibal Scheutz von everybodys Wienerlied-Soulpop-Darlings 5/8erl in Ehr'n betreiben als Sad Francisco neuerdings ein Nebenprojekt. Auf dem Debüt-Kurzformat "Ich bin" (Viennese Soulfood) verbinden sie die Qualitäten der Hauptband mit einem Mehr an Experimentierfreude, Verspieltheit und Groove, Hitpotenzial inklusive ("Hee, Charlie").

Ganz anders als bei seiner Stammband, dem Ersten Wiener Heimorgelorchester, tönt hingegen Thomas Pfeffer (Gitarre, Gesang) mit dem Trio Pfeffer und Konsorten: Unterteilt in 13 Portionen bietet "Olle san glaech"(Non Food Factory) neues Wienerlied zwischen Schmäh und Gefühl.


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