Nüchtern betrachtet

Oh Lord, have mercy on Gerhard Stöger!


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015

Was das Angebot auf dem Sektor Esoterik und Spiritualität anbelangt, vertrete ich eine marktliberale Position: Jede und jeder soll sich aussuchen, was sie oder er will. Solange das im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit praktiziert und konsumiert werden kann, ist mir alles recht. Das bedeutet nicht, dass ich mit allem einverstanden wäre, es geht mich bloß nix an. Ich bin weder Scientologe noch Dylanologe, würde persönlich zwar eher zur Church of Bob neigen, entbehre aber des nötigen Glaubensfeuers und neige ohnedies nicht übermäßig zur Adoration. Dylanologen haben außerdem gehörig einen an der Waffel und sind realitätsverweigerungsmäßig mit ähnlichen Energien ausgestattet wie alle andere Sekten auch.

Wenn Bob Dylan mal ein schlechtes Konzert gibt - und das passiert alle Nasen lang, schließlich steht der Mann ja täglich auf der Bühne -, dann kommen die Dylanologen und erklären einem, dass das kein schlechtes, sondern bloß ein andersgutes und ergo eigentlich ein besonders großartiges

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