"Zum Kampf für ein freies Österreich"

Neue Erkenntnisse über steirischen Widerstand in der Endphase des NS-Regimes: Mehrere Gruppen verhinderten, dass Brücken, Industrieanlagen und Rundfunksender noch in letzter Minute zerstört wurden

Steiermark | Überblick: Heimo Halbrainer | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015


Foto: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands

Foto: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands

Im Mai 1946 schickte der steirische Landeshauptmann Anton Pirchegger einen Bericht über den steirischen Widerstand gegen das NS-Regime an das Bundeskanzleramt, das Unterlagen und Dokumente für ein „Rot-Weiß-Rot-Buch“ sammelte. Darin heißt es: „Zu größerer Bedeutung und vor allem zu einem organisatorischen Zusammenschluss aller Gegner des Nationalsozialismus konnte es (…) nicht kommen. Trotzdem verdankt die Steiermark den im ganzen Lande verteilten und zersplitterten Widerstandsnestern, unterstützt von dem Großteil der Bevölkerung, die Erhaltung vieler Menschenleben und wertvoller Güter, die andernfalls sicher der entmenschten Wut unverantwortlicher landfremder Diktatoren und Parteigrößen zum Opfer gefallen wären.“

Mit der Übertreibung, ein Großteil der Bevölkerung hätte den Widerstand unterstützt, wollten die Regierungsvertreter den Nachweis liefern, Österreich habe seinen eigenen Beitrag zu seiner Befreiung geleistet, wie von den Alliierten in Moskau am 1. November 1943 gefordert. Dies stimmte zu keinem Zeitpunkt. Dennoch hatte der Landeshauptmann damit recht, dass in der Endphase des Regimes Widerstandsgruppen in zahlreichen Gemeinden dafür gesorgt hatten, dass Brücken, Industrieanlagen und Rundfunksender nicht noch in letzter Minute zerstört wurden. Eine Dokumentation, die erstmals die Geschichte dieser Gruppen aufgearbeitet hat, deren Namen heute kaum noch jemand kennt, ist dieser Tage erschienen.


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