Das Radlokal neu erfinden

Ins ehemalige Gloriette-Kino zog ein Radgeschäft-Bistro ein

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 48/15 vom 25.11.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Es war einmal ein altes Vorstadtkino, das sich in einem ehemaligen Vorstadtwirtshaus befand und berühmt dafür war, dass hier die wirklich harten Western liefen. Und als die Leute keine wirklich harten Western mehr sehen wollten, wurde das Kino – nicht so wie alle anderen Vorstadtkinos – aber trotzdem keine Pornohütte und auch kein Chinarestaurant, sondern zeigte weiter Filme, diesmal halt für Kinder und Familie.

Das ging eine Zeit lang gut, dann aber auch nicht mehr, ein letzter Versuch waren Cineasten- und Arthouse-Filme, aber das machten alte Kinos in der Stadt, zu denen man mit der U-Bahn fahren konnte anstatt mit dem 10er oder 52er, halt auch schon. 2013 ging das alte Vorstadtkino namens Gloriette ein.

Vor ein paar Tagen eröffnete hier nun das „Velobis“ (Velo + Bistro), hinter dem ein Fahrradhändler von der anderen Straßenseite steht, und der die Chance sah, hier einerseits seine Fahrräder präsentieren zu können und andererseits ein Beisl zu machen.

Gute Idee, Fahrrad und Gastronomie passen ja fein zusammen, es gibt da bekanntlich Kongruenzen.

Das Problem ist nur: Wenn man bisher keine umfangreichen Erfahrungen mit Gastronomie hat, und diese beiden Dinge in einem ehemaligen Vorstadt-Kino unter einen Hut bringen will, können ein paar Fehler passieren.

Etwa dass es keine Tische gibt. Also es gibt vorn bei der Bar, bei der Glasfassade mit Blick auf die Linzer Straße, schon zwei Tische (und einen gleich neben der Tür, an dem man aber nicht sitzen kann), das eigentliche Lokal wurde aber in einem kalten, finsteren, kahlen Raum untergebracht, der aussieht wie eine Waschküche oder ein Materiallager, von dem aus man in einen grauen Lichthof mit Verpackungsmüll oder auf die Klos sehen kann und wo man nach vorn zur Bar gehen muss, um eine Bestellung aufzugeben. Irgendwie blöd. Die Fahrräder haben’s einstweilen hell und abwechslungsreich und einen guten Ausblick aufs Geschehen auf der Straße (stehen aber viel zu dicht gedrängt, als dass man sie betrachten, geschweige denn zur Hand nehmen könnte).

Dass alle Tische wackeln, dass es das Hirter Pils aus technischen Gründen nicht gab, das alternativ gewählte Napar Pils von der Craft-Beer-Karte auch nicht verfügbar war und dass es die Abendkarte nur online gibt, das aber halt auch nicht wirklich, kann einem dann schon ein bisserl auf die Nerven gehen. Mittags gab’s Blackeyed Beans mit Sellerie, Speck und drei Streifen gebratener Kochbanane, eh nett (€ 7,60), einen veganen Linseneintopf, der nach veganem Linseneintopf schmeckte (€ 6,90), und eine Kürbissuppe, die zwar nicht an die Kürbissuppe im „Die Liebe“ herankam, aber zumindest einmal nicht aus Hülsenfrüchten bestand (€ 4,–). Wirklich bitter: Der Espresso war erbärmlich. Und schlechter Espresso in einem Rad-Lokal geht gar nicht.

Resümee:

Fahrrad und Bistro wollen im neuen Velobis nicht so recht zusammenwachsen. Vielleicht sollte man sich auf einen Bereich beschränken.

Velobis
15., Johnstr. 1–3
Tel. 01/786 39 80
Mo–Fr 11–14, 17–22, Sa 12–22 Uhr
www.velobis.at


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